Was die Presse so über uns schreibt...

Lesung in Ispringen am 24.06.16
presse ispringen.jpg
JPG Bild 1.2 MB

Geislinger Zeitung,

9. Mai 2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der mit dem Down-Syndrom geborene Jonas Zachmann geniest seine Lesung. Das freut auch Mutter Doro. Foto: Claudia Burst

 

Ohne Maske und Fassade          

 

 Down-Syndrom: Jonas Zachmann liest sich im Geislinger Schubart-Saal in die Herzen der Besucher

 

Jonas Zachmann kam mit Down-Syndrom auf die Welt. Seine Mutter Doro verarbeitet das gemeinsame Leben in Büchern, an denen Jonas mitschreibt.

 

CLAUDIA BURST

 

Geislingen. Jonas ist 23. Seine Haare hat der junge Mann hellblond gefärbt. Selbstbewusst tritt er am Samstagnachmittag gemeinsam mit seiner Mutter Doro Zachmann im Schubart-Saal des Geislinger Mehrgenerationenhauses ans Rednerpult. Stellt sich den 40 Gästen vor: „Ich bin Jonas und bin Chef von Doro, meine Mama, sie ist Sekretärin von meine Buch, ich alles schreiben, bis fertig ist. . .“ Jonas hat das Down-Syndrom. Und liebt sein Leben. Präsentiert sich charmant und mit köstlichem Humor. Eingeladen wurden der 23-Jährige und seine Mutter zu einer Lesung des Buches „Bin kein Star, bin ich“, das er gemeinsam mit seiner Mutter geschrieben hat. Es ist schon das vierte Buch, mit dem Doro Zachmann ihre Erfahrung als Mutter eines Sohnes mit Down-Syndrom schildert, das zweite, an dem Jonas aktiv beteiligt ist.

 

 

 

 

Gastgeber der Lesung war der Geislinger Stadtbehindertenring STeiGle. Der Verein hatte damit er-neut einen Gast in die Fünftälerstadt eingeladen, der innerhalb von gut einer Stunde das eingefahrene Denken von Menschen, die ihre Behinderung nicht erkennen, auf neue Gleise führte. „Gott hat nie Fehler gemacht. Jeder Mensch ist Unterschied von den anderen. Und alle gleich wären, ist so Langeweile“, lautet eine Passage aus dem Buch, die Jonas vorliest. So steht es tatsächlich drin und macht seine Art zu reden, die oft schwer verständlich ist, deutlich. Aber vor allem zeigt sie, dass er sich des Unterschieds zu den Menschen in seiner Umgebung bewusst ist – und diesen Unterschied akzeptiert hat. Jonas Zachmann nimmt mit seiner unverstellten Art die Herzen der Besucher für sich ein. Während der Momente, in denen er und seine Mutter Bilder aus dem Familienleben der Zachmanns präsentieren, kuschelt sich der junge Mann an seine Mama und holt sich Küsschen ab. Andererseits legt er Wert darauf, dass sie die Sätze auf dem Laptop genauso liest, wie sie dort stehen. „Jonas“ und nicht: „mein Sohn“, zum Beispiel. Er weiß aus Lesungs-Erfahrung heraus, an welchen Stellen das Publikum lacht und grinst dann spitzbübisch. Jonas erzählt von seinem Leben in der betreuten WG, in die er vor vier Jahren gezogen ist. Von seinem Leben als Schreiner in der Lebenshilfe-Werkstatt, von den Schwierigkeiten beim Selbstständig-Werden und von den vielen schönen Momenten. Und der Zuhörer begreift, dieser junge Mann fühlt und denkt wie andere Menschen seines Alters. Nur ungefilterter, direkter und mit einer Lebensfreude, die ansteckend wirkt. Das zeigt sich vor allem am Ende des dualen Vortrags von Doro und Jonas Zachmann. Da schaltet Jonas Musik im CD-Player an und beginnt zu tanzen, weil er das so gern macht. Einfach so. Der Beifall ist laut und begeistert. Viele der Besucher sind ins Nachdenken gekommen.

 

 

 

02.05.2016

 

Lydia Schäfer

 

23-Jähriger mit Down-Syndrom schreibt Bücher

 

Jonas Zachmann hat das Down-Syndrom und schreibt gemeinsam mit seiner Mutter Bücher

 

 Jonas und Doro Zachmann haben gemeinsam das Buch „Bin kein Star, bin ich“ vorgestellt.

 

Jonas und Doro Zachmann haben gemeinsam das Buch „Bin kein Star, bin ich“ vorgestellt.

 

Friedrichshafen. Eine Lesung der etwas anderen Art haben Doro und Jonas Zachmann in der „Bücherecke am Bodensee“ am Samstagvormittag gegeben. Jonas Zachmann aus Karlsruhe ist 23 Jahre alt und hat bisher zwei Bücher geschrieben. Er gibt Einblick in seine Gedankenwelt, präsentiert sich als selbstbewusster junger Mann. Von Beruf ist er Schreiner und er hat das Down-Syndrom.

 

Eine kleine Gesellschaft hat sich in der Bücherecke in der Ailinger Straße zusammen gefunden, um in die Welt von Jonas Zachmann einzutauchen. Mithilfe einer multimedialen Präsentation geben er und seine Mutter Doro Zachmann einen gefühl- und insbesondere humorvollen Einblick in den Alltag des jungen Mannes. Mehr noch – einen Einblick in seine Gedanken, die erfrischend direkt sind. Sein Leben folgt einer gewissen Struktur. Die Wandfarbe für sein WG-Zimmer, in das er vor vier Jahren gezogen ist, hat er nicht nach der Farbtafel ausgesucht. Es waren vielmehr die Bezeichnungen, die ihn inspiriert haben. Eisblau war ihm zu kalt, Zitrone zu sauer und Pflaume? „Ihh, zu matschig“, findet Jonas, aber das ungewöhnliche Wort „terracotta“ hat es ihm angetan. Gelesen, gekauft und gestrichen. So einfach kann das Leben sein. Überhaupt ist Jonas überzeugt: „Mann sein ist toll. Ich bin ein toller Mann“. Frauen sind zickig, Männer nicht. Gut, Männer können schon dickköpfig und stur sein, aber eben nicht zickig. Es sind die kleinen, aber feinen Unterschiede, die Jonas aufs Blatt bannt. Einfach, verständlich und direkt.

 

Männergespräche und Schreiben

 

Jonas hat ein anderes Leben als Menschen ohne Behinderung. Er hat bereits zwei Herzoperationen hinter sich. „Es ist immer noch nicht so optimal“, sagt seine Mutter. Er arbeitet als Schreiner in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Ein Job, der ihm Spaß macht. Jonas hat drei ältere Schwestern. Er führt wichtige Männergespräche mit seinem Vater und teilt die Leidenschaft fürs Schreiben mit seiner Mutter, die er während der Lesung immer wieder in die Arme nimmt. Was ihm am Schreiben am besten gefällt, sind die Übernachtungen in einem Hotel, wenn er mit seiner Mutter zu einer Lesung fährt. Wie witzig das auch klingen mag, eines wird dennoch deutlich: Jonas möchte ernst genommen werden. Um es mit seinen Worten zu sagen: „Ich erzähle aus meinem Leben, weil es kompliziert ist und damit ihr wisst, wer ich bin, und keine blöden Kommentare macht, und es ist kein Witz, mein Leben, damit das alle wissen.“ Er ist ein junger Mann, der sein Leben gestalten muss wie jeder andere junge Mann auch. Er sehnt sich ebenso nach der Einen wie jeder andere auch. Er geht zur Arbeit, hat Freunde, liebt Disney-Filme und muss sich während des Erwachsenwerdens mit dem Down Syndrom auseinandersetzen.

 

Zusammen mit seiner Mutter verfasst er seine Werke. Es ist ein Blick aus Sicht der Mutter und ein Blick aus Sicht des Sohnes. Doro Zachmann hatte bereits zwei Bücher über ihren Sohn veröffentlicht, als Jonas ihr mitteilte, das er auch schreiben wolle. Die nächsten beiden Bücher haben sie gemeinsam geschrieben. Die Lesungen von Doro Zachmann und „Knüller“ Jonas, wie er sich auch selbst nennt, sind einen Besuch wert. Sie geben Einblick in ein ganz normales Leben, das ein wenig anders ist. Im Oktober werden sie im Haus der kirchlichen Dienste zu Gast sein.

 

Jonas und Doro Zachmann lesen aus ihrem aktuellen Buch „Bin kein Star, bin ich“ am Samstag, 1. Oktober, um 19.30 Uhr im Haus der kirchlichen Dienste, Katharinenstraße 16 in Friedrichshafen. Bisher erschienen: „Mit der Stimme des Herzens“ und „Bin Knüller“ (von Doro Zachmann) und „Ich mit ohne Mama: Knüller Jonas wird erwachsen“ und „Bin kein Star, bin ich“ (Jonas und Doro Zachmann).

 

 

 

Eine etwas andere Lesung in Leipzig

 

Bin kein Star, bin ich.

 

Jonas und Doro Zachmann haben ihr mittlerweile zweites Buch geschrieben. Es handelt vom Leben ihrer Familie, ihrer Abenteuer, aber auch den hier und da aufkommenden Problemen. Es klingt nach einer typischen Familie. Bis man genauer hinschaut.

Doro und Jonas Zachmann

 

 

 

 

Foto: Lebenshilfe Leipzig e.V.

 

 

Jonas Zachmann ist 23 Jahre alt, Schreiner und lebt in einer WG. Er schaut gern Filme und schreibt gern. Dieses Hobby hat er von seiner Mutter Doro Zachmann, Autorin und Diplom-Sozialpädagogin. Beide zusammen haben bereits zwei Bücher veröffentlicht und machen mit ihren Geschichten und Texten vielen Menschen Mut. Denn Jonas hat Trisomie 21. Zudem wurde er mit einem schweren Herzfehler geboren, sodass er bereits als Kind operiert werden musste. Seine Mutter Doro hat daher ihre alltäglichen Probleme ab dem ersten Lebenstag von und mit Jonas aufgeschrieben.

 

„Ich schreibe einfach über Dinge, die mich beschäftigen. Ich mache das schon seit meiner Jugend so und es ist hilft mir bei der Bewältigung“. Doro Zachmann 

 

So entstanden bereits mehrere Bücher über Jonas. "Mit der Stimme des Herzens" entstand das erste autobiographische Werk von ihr. Es flossen alltägliche Situationen mit Jonas und seinen drei Schwestern ein, aber auch die Ängste und Sorgen der Eltern Doro und Wolfgang. Besonderen Mut macht Jonas aber vielen Eltern oder Betroffenen mit seinem Lebensmut und seinem Charakter. Er hat den Spitzennamen "Knüller" nicht umsonst. 

 

"Bin Knüller" hieß dann auch das zweite Werk über Jonas. Er ist zu diesem Zeitpunkt vierzehn Jahre alt und kommt in die Pubertät. Er muss aber auch erneut operiert werden. Diese schwere Zeit nahm seine Mutter als Anlass, Rückschau zu halten über die Zeit mit ihm: in Tagebuchauszügen, Artikeln, Anekdoten; mit Fotos, Zeichnungen und nachdenklichen Kurztexten.

 

Jonas überstand diese OP und seit er achtzehn Jahre alt ist, will er nicht nur über sich lesen, sondern möchte auch unbedingt mitschreiben! So entstanden die Werke "Ich mit ohne Mama: Knüller Jonas wird erwachsen" und "Bin kein Star, bin ich." In dem neuen Buch beschreiben beide in einem gegenseitigen Schreibprozess ihre Ansichten über die neue Situation innerhalb der Familie. Denn Jonas ist fertig mit der Schule und möchte, wie seine großen Schwestern, von Zuhause ausziehen. Für die Familie ist es eine ganz neue Erfahrung.

 

„Ich musste zunächst lernen, dass ich ihn nicht ständig anrufen und besuchen kann. Das ging soweit, dass mir die Betreuerinnen sagten, dass jetzt mal gut ist und ich Jonas erst mal ankommen lassen soll.“ Doro Zachmann

 

Auch in diesem Buch erlebt man die Geschichte, die doch jeder junge Erwachsene kennt. Das erste Mal auf eigenen Beinen stehen, in den eigenen vier Wänden leben und den Alltag bestreiten. Bemerkenswert ist aber, wie beschwingt Jonas Zachmann den Leser dabei in sein Leben mitnimmt und seine eigenen Gefühle und Emotionen beschreibt. Das besondere ist außerdem, dass man jede Geschichte aus zwei Perspektiven lesen kann, seine eigene, aber auch die seiner Mutter. 

 

„Ich schreibe dieses Buch, weil es mir Spaß macht, und es geht (darin) nicht um mich allein, sondern (auch um) meine Familie. Deshalb heißt das Buch »Bin kein Star, bin ich«, weil (mir) meine Familie wichtiger ist als die Bühne und ich (ein) ganz normales Leben habe. Ich erzähle aus meinem Leben, weil es kompliziert ist und damit ihr (Leser) wisst (versteht), wer ich bin, und keine blöden Kommentare (macht),und es ist kein Witz, mein Leben, damit das alle wissen.“ Jonas Zachmann

 

 

 

„Ja, das ist Jonas ganz wichtig: dass er nicht ausgelacht, sondern ernst genommen wird! Als erwachsener Mann, als Mensch mit Behinderung, als ganz normaler Jonas. Und er möchte zum Ausdruck bringen, dass sein Leben auch immer wieder ein großer Spagat ist.“Doro Zachmann

 

Das Buch liest sich wie ein Film. Es sind Episoden aus dem Leben einer ganz normalen Familie mit nicht immer ganz alltäglichen Problemen. Es zeigt vor allem, dass ein Mensch mit Behinderung zwar ein kompliziertes Leben hat, es aber dennoch genauso bunt und spannend sein kann, wie jedes Andere auch. Jonas und Zachmann transportieren die Lebensfreude ihrer Familie durch ihre Bücher und inspirieren dadurch jeden Leser. In einem Interview haben sie noch einige Dinge über ihr Leben und ihr Buch verraten.

 

 

 

Lesung
Das Besondere im Normalen
08.03.2016

 

 

Das Besondere im Normalen
Jonas Zachmann und seine Mutter bei der Lesung.Foto: Heiko Kempken

Wesel. Jonas Zachmann hat mit seiner Mutter ein Buch über das Erwachsenwerden mit Down-Syndrom geschrieben. Lesung im Gemeindezentrum Wittenberg in Wesel.

In vielerlei Hinsicht führt der 23-jährige Jonas Zachmann ein ganz normales Leben. Er wohnt in einer WG, arbeitet in einer Schreinerei, isst gern Pizza und Döner und liebt es zu tanzen. Doch er ist auch etwas besonderes: ein gefeierter Autor mit dem Down-Syndrom. Seine Mutter Doro Zachmann hat bereits zwei Bücher über sein Leben geschrieben, als er noch ein Kind war. Als er 18 Jahre alt war, wollte er mitmachen.

Mit einer Lesung aus dem zweiten gemeinsamen Werk: „Bin kein Star, bin ich“, war das Mutter-Sohn-Autorenduo aus Karlsruhe am Montagabend zu Gast im Gemeindezentrum Wittenberg. In dem Buch wird erzählt, wie Jonas langsam erwachsen wird: Der Auszug von Zuhause, die Suche nach einer Arbeit, der Alltag mit seinem Handicap. Dass er ausziehen wollte, war ihm schon früh klar, denn seine drei älteren Schwestern haben das elterliche Nest nach der Schule ebenfalls verlassen. 2012 war es dann soweit und ein passender Platz in einer betreuten WG gefunden.

Doch schon der Kauf von Wandfarbe für das neue Zimmer gestaltete sich als erste Herausforderung, wie Mutter und Sohn in ihrem Buch erzählen: „Mutti, lass mich, meine Entscheidung“, wies Jonas damals die mütterliche Hilfe zurück, denn eine Farbe wollte er selbst wählen. Wenn auch nach etwas unüblichen Entscheidungskriterien: „Eisblau?“ - „Zu kalt“, „Pfirsich?“ - „Mag ich nicht“, „Zitronengelb?“ - „Zu sauer“, „Terrakotta?“ - „Hübscher Name, nehm’ ich.“
„Gott mag mich, ich bin“

Auch wenn diese kleinen Dinge des Alltags manchmal etwas länger dauern, beschreiben Jonas und Doro Zachmann in ihrem Buch, wie Jonas unbeirrt und selbstbewusst durchs Leben geht. Und dass er auch sehr genau weiß, worauf es ankommt. So schreibt Jonas zwar, dass ihm die Arbeit in der Schreinerei der Lebenshilfe Spaß macht, aber er weiß auch: „Mir gefallen oder nicht, muss arbeiten.“

Dann und wann ist aber doch die elterliche Hilfe gefragt. So berichten die beiden von einem Erlebnis, als Jonas versehentlich im falschen Bus saß: „Mutti, ich bin im Bus, aber Bus fährt in die falsche Richtung“, erklärte er damals am Telefon. Oder von der „Döner-Geschichte“, wie sie bei den Zachmanns heißt, als er sich zwei Döner kaufte und einen für später aufheben wollte. Diese endete mit einer Lebensmittelvergiftung im Krankenhaus. Aus solchen kleinen Unfällen lernt Jonas aber, wie er selbst schreibt, denn schon beim nächsten Mal lief es besser: „Gleich gegessen den Döner, nichts aufgehoben, weil ich gelernt habe.“

Dass Jonas anders ist als andere Menschen, beschäftigt ihn seit der Pubertät. Doch mittlerweile hat er zu einem selbstbewussten Umgang damit gefunden: „Jeder Mensch ist Unterschied von den anderen und alle gleich wären, sonst Langeweile“, schreibt er in seinem Buch. Inzwischen weiß er: „Down-Syndrom oder nicht, spielt dem keine Rolle“.

Immer wieder darüber reden, möchte er aber auch nicht. „Das nervt, das Thema“, schreibt er ganz klar: „Keiner ist perfekt, aber ist gut so. Gott mag mich, ich bin“.

Und in seinen Hobbies und Leidenschaften ist er nicht anders als andere junge Erwachsene. „Mein Laptop ist die beste“, erzählt er in seinem Buch, doch den darf er nur am Wochenende benutzen, weil er sonst die ganze Nacht Filme schaut und nicht schläft. Seine zweite Leidenschaft ist das Essen: „Essen ist mein Ding, ich liebe es“, erzählt er verschmitzt. Und auch ein Tanzkurs in der Lebenshilfe bereitet ihm großen Spaß. Zu Salsa, Walzer, Cha-Cha-Cha und Rumba lässt er dort seine Hüften kreisen.

Zum Abschluss der Lesung stellte er das unter Beweis und legte er eine flotte Sohle auf das Parkett der Bühne im Gemeindezentrum.

Die Lesung war eine der Sonderveranstaltungen, die es ihm Rahmen des Stadtjubiläums im Gemeindezentrum Wittenberg gibt. Schon am Mittwoch, 16. März, steht ein weiteres Highlight auf dem Programm: Das Gitarrenduo „Café del Mundo“ mit ihrem Flamencoprogramm „In Passion“.

Melanie Koppel

Presse Wesel 9.3.16
Das Besondere im Normalen
Doro Zachmann NRZ_09.03.16 Wesel.pdf
Adobe Acrobat Dokument 194.7 KB

Schorndorf und Umgebung

Glückliches Leben mit Down-Syndrom

 

Lesung mit Doro Zachmann und ihrem Sohn Jonas im evangelischen Gemeindehaus in Winterbach

 

Doro Zachmann arbeitet als freie Autorin und schreibt über ihren Sohn Jonas (23), der das Down-Syndrom hat. Am Samstagabend haben sie gemeinsam im evangelischen Gemeindehaus in Winterbach eine Lesung gestaltet.

 

Sie spricht ihn neckisch mit „Joni“ an, er sagt „Mutti“, zusammen hinterlassen sie einen warmherzigen und gewinnenden Eindruck: Doro Zachmann und ihr Sohn Jonas, der das Downsyndrom hat, haben mehrere Bücher zusammen geschrieben. Aus ihrem neuesten Werk mit dem liebevollen Titel „Binkein Star,binich“ haben sie im evangelischen Gemeindehaus vorgelesen.

 

Wie Jonas tickt, kommt in zahlreichen Alltagserlebnissen durch, die Mutter und Sohn abwechselnd und einander liebevoll zugewandt vortragen. Sie schildert lebhaft, er kommentiert kess eine Baumarktszene: Sohn zieht von daheim aus, braucht Farbe für sein neues Zimmer. Im Baumarkt machen die Eltern mit schlauen Argumenten Vorschläge. Ihm passt das alles nicht. Er hat seine eigenen Auswahlkriterien, die sich „nach der Farbbezeichnung und dem Klang der Worte“ richten, zeigt die Mutter, wie nachvollziehbar seine Gedankengänge sind. Er spielt neben ihr gestisch seine Empfindungen nach, bis alle im Raum grinsen und lächeln: eisblau - „zu kalt“. Pfirsich - „grr, mag ich nicht“. Karibik - „hä, was ist das?“ Zitrone - „ich liebe Zitronen, aber zu sauer“. Terracotta - „hübscher Name, nehm’ ich“. Und so wurde seine Wand in der neuen WG terracottafarben.

 

Jonas arbeitet in einer Schreinerei

 

Der 23-jährige Jonas ist von daheim ausgezogen und arbeitet in einer Schreinerei. „Arbeite mit dem Holz und bohren. Ich bohre und überall Maschinen“, notiert er. „Arbeit macht Spaß, aber geht nicht um Spaß, sondern um Arbeiten. Und muss immer Gruppenleiter hören, seine Vorschrift. Ist cool, Schreiner zu sein“, bringt er seine Gefühle zum Ausdruck. Wie auch beim Besuch seiner Mutter in seiner neuen Wohnumgebung. Sie essen gemeinsam. Sie bittet ihn, den Teller mit reinzunehmen. „Mutti, du bist jetzt der Gast“, erklärt er ihr die neue Rollenverteilung, die sie im Buch und in der Lesung schmunzelnd zu kommentieren weiß. Seine Hobbies sind „Mama ärgern, essen und singen“, vertraut er den aufmerksam lauschenden Zuhörern mit schelmischem Grinsen an. Auch redet er darüber, warum er lieber Motorradzeitungen liest als ein Magazin über das Leben mit Downsyndrom. „Will ich nicht lesen, weiß ich alles“, kommt er in seiner unverwechselbar ungenierten Art auf den Punkt. Er steht vor der Zuhörerschaft und spricht wie jemand, der ein „Ja“ zu sich gefunden hat, so wie er ist. Unverstellt, unerschrocken, in klaren Sätzen erzählt er aus seinem Leben, das kompliziert ist. Aber auch ganz normal. „Ich schreibe dieses Buch, weil Spaß macht und geht nicht um mich allein, sondern auch um meine Familie. Weil mir Familie wichtiger ist als die Bühne und ich ganz normales Leben hab“. Immer wieder schmiegt er bei der Lesung seinen Kopf an ihre Schulter und drückt der „Mutti“ einen Schmatzer auf die Backe. Sie umarmt ihn. „Ich schaffe alles, schlauer Kerl“, liest er vor. Kindheits- und Jugendbilder auf der Leinwand zeigen, dass er sein Leben genießen kann. Sein Laptop - das seien seine „zwei Lieblinge“. Zwei? „Ja, das Netzteil und der Laptop“, antwortet Jonas. „Klar, was bringt ein Laptop ohne Netzteil?“, verdeutlicht die Mutter die Logik. Sie erläutert, dass er wie jeder Erwachsene immer wieder sein Gleichgewicht sucht, Anforderungen zu meistern hat und sich nach einer Partnerin sehnt. Dabei gibt er sich keinen Illusionen hin: „Frauen zicken immer, Männer zicken nie“, lautet seine geschlechtsspezifische Aussage. Männer hätten „Tanzstil und Lebenslust, Frauen auch tanzen, aber mehr Ballett und so was“. Männer trinken „Radler, Bier und so Zeug“ und Frauen sind „mehr sexy und haben mehr Stil“. Als behindert zu gelten, beschäftige ihn seit der Pubertät, berichtet die Mutter. Jonas sei hin- und hergerissen zwischen dem Gefühl, benachteiligt zu sein und etwas Besonderes zu sein. „Gott hat nie Fehler gemacht. Alle sind behindert, niemand ist perfekt“, spielt er auf Brillenträger an, deren Augen „behindert“ seien. Jonas findet klare Worte für das Leben mit dem Downsyndrom: „Manche Menschen nicht glücklich und die haben kein Downsyndrom. Die sind traurig. Ich bin nicht traurig, weil mein Leben schön ist“.

 

·        Die Lesung mit Doro und Jonas Zachmann war Teil des einmal im Jahr stattfindenden Frauenabends „Impuls - ein Abend (nicht nur) fürFrauen“.

 

·        Da die Musiklehrerin Claudia Bühlweiler kurzfristig wegen eines geschäftlichen Termins absagen musste, sprang Klaus Beeschein, der aushilfsweise als Organist in der Gemeinde spielt, und begleitete den Abend mit Klavierstücken.

 

·        Doro Zachmann sagt, sie sei ihrem Sohn dankbar, dass er sie zum Schreiben brachte. Nach der Geburt fing die diplomierte Sozialpädagogin an, zu schreiben. Mit dem ersten Titel „Mit der Stimme des Herzens“ über ihren Sohn Jonas, der das Down-Syndrom hat, ging sie auf Lesereisen. Jonas begleitete sie. Dabei übernachteten sie im Hotel. „Weil er die Reisen und die Hotels so toll fand, hatte er die Idee, einfach noch ein Buch zu schreiben“, erzählt sie. Der zweite Buchtitel „Ich mit ohne Mama“ hält die Erinnerungen daran fest, wie er schrittweise die Kurve ins Erwachsenenleben kriegt.

 

·        Jonas hat zwei ältere Schwestern (Zwillinge), lebt in Karlsruhe in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft und arbeitet in einer Schreinerei der Lebenshilfe.

 

Von Heidrun Gehrke

 

2016_02_08_SH_Downsyndrom_Mutter_Sohn Wi
Adobe Acrobat Dokument 106.1 KB

Ich mit ohne Mama

Doro und Jonas Zachmann über das Erwachsenwerden mit Down Syndrom

Doro Zachmann hat ein drittes Buch über ihren Sohn Jonas veröffentlicht. Der durch das Down Syndrom behinderte junge Mann hat dabei mitgeschrieben. Beide lasen beim ökumenischen Frauenfrühstück in der Mössinger Christuskirche.

09.10.2015
  • von Susanne Mutschler

 

 

Mössingen. In den ersten beiden Büchern, in denen Doro Zachmann vom Aufwachsen ihres Sohnes erzählt, geht es um die Babyjahre mit Jonas und um seine Kindheit. Jonas, der 1992 mit dem Down Syndrom zur Welt kam, leide nicht an seiner Behinderung, betonte Doro Zachmann am Mittwoch. Auch sich selbst will sie nicht als negativ „Betroffene“ sehen. Viel eher sei sie eine Getroffene, denn Jonas mit seinem „fröhlichen Gemüt“ und seiner ansteckenden Heiterkeit sei von Anfang an „ein Volltreffer in ihr Herz“ gewesen und „ein Mega-Geschenk von Gott“. Denn ihrem Sohn sei die Kunst, sich selbst zu lieben, in die Wiege gelegt. Jonas habe ein „bewundernswert gesundes Selbstwertgefühl“, sagt Doro Zachmann. Er genieße sein Leben in vollen Zügen. „Ich bin mein Lieblingsmann“, schreibt „Knüller Jonas“, wie er im Untertitel des Buches genannt wird.

Beim Mössinger Frauenfrühstück, das der Veranstaltung wegen auf den Abend verlegt wurde, lasen Doro und Jonas Zachmann im Wechselgespräch aus „Ich mit ohne Mama“. In fünf Kapiteln und auf über 300 Seiten geht es darin um das Erwachsen- und Selbstständigwerden des jungen Mannes. Das Buch ist gespickt mit Fotografien, Tagebucheinträgen und den krakeligen Aufzeichnungen von Jonas. Auch aus der vierten Folge der begleitenden Biografie, die demnächst unter dem Titel „Bin kein Star, bin ich“ erscheinen wird, gaben die beiden erste Kostproben.

„Ich bin dein Sohn und dein Abenteuer“, beschreibt Jonas seine enge Mutterbeziehung. Noch immer bekommt Doro Zachmann Liebesbriefe und Heiratsanträge von ihm. Auch beim Vorlesen ist ihm ihre Nähe wichtig. Jonas sei in der Lage, ohne Einschränkung zu lieben, erklärt sie. Dass gerade er als eingeschränkt gelten soll, kommt ihr vor wie eine „verkehrte Welt“.

Der 23-Jährige weiß genau, dass ihn seine Behinderung von anderen jungen Männern unterscheidet. Er habe Probleme beim Sprechen; Zahlen und Fahrpläne machen ihm Mühe. Er lerne langsamer als andere, und es sei für ihn schwierig, „wenig zu essen und seine Fußnägel zu schneiden“. Wenn andere ihn auslachen und ausgrenzen, macht ihn das traurig. „Aber Gott sagt mir, dass ich gut bin“, schreibt Jonas und zählt viele positive Eigenschaften auf: Er könne schreiben, lesen, in seinem Kopf drin denken, schwimmen und tauchen, charmant küssen und gut tanzen. Seit Jonas mit 18 Jahren telefonisch seine erste Pizza bestellte und selbst bezahlte, hält Doro Zachmann ihren Sohn für „überlebenstauglich“.

2012 hat er das Familienleben mit Eltern und Schwestern gegen eine gemischte Wohngruppe in Karlsruhe eingetauscht. In einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen macht er eine Holzbau-Ausbildung. „Ich liebe Schreiner“, bekennt er leidenschaftlich. Mindestens ebenso gern geht er an den Wochenenden mit seiner Mutter auf Lese-Tour. Er mag die Auftritte und vor allem das Übernachten in den Hotels. In seiner Freizeit geht er zum Tanzkurs im Haus der Karlsruher Lebenshilfe. Spontan zeigt er den begeistert mitklatschenden Frauen, was er an Beweglichkeit und tänzerischer Fantasie alles draufhat.

Kerstin Metzger, die das Frauen frühstück organisierte und selbst Mutter eines „besonderen Kindes“ ist, dankte Jonas und seiner Mutter „für den tollen Ausblick in die Zukunft“, den sie ihr gegeben hätten. Menschen wie Jonas seien „von Gott geliebte Unikate“.

 

Doro und Jonas Zachmann über das Erwachsenwerden mit Down Syndrom
Kann schreinern, tanzen und schreiben: Jonas Zachmann mit seiner Mutter und Co-Autorin Doro. Bild: Rippmann

Der Teckbote – Kirchheimer Zeitung  22.09.2015

 „Mutti, ich bin dein Abenteuer“

Ein ganz besonderes Autoren-Team hatte das Inklusionsforum Olé, „Unser Netz“ und „gemeinsam“ Lenningen am Freitagabend zur Lesung in das evangelische Gemeindehaus Oberlenningen eingeladen.

Elisabeth Kanski

Lenningen. „Ich bin Down-Syndrom“ sagt Jonas Zachmann, „aber ist ok bei mir.“ Der 22-Jährige steht neben seiner Mutter vor zahlreichen Zuhörern. Doro Zachmann hatte bereits zwei Bücher über ihren Sohn geschrieben. Das dritte Buch entstand jedoch auf ganz anderem Wege, wie die Autorin gleich zu Beginn erzählt. Als Frau Zachmann 2010 wegen einer Lesung im Hotel übernachten musste, wollte Jonas mitkommen. Sie versprach, dass er auch zu Lesungen und in Hotels dürfe, wenn er ein eigenes Buch schreibt. Gesagt, getan: 2012 kam „Ich mit ohne Mama“ (SCM Hänssler) von Jonas und Doro Zachmann heraus – was sich mit über 80 Lesungen bisher voll und ganz für Jonas gelohnt haben dürfte.

Gemeinsam schrieben sie über Jonas Alltag und Leben, als er etwa 19 Jahre alt ist. Es geht um das Erwachsenwerden, um Selbstständigkeit und das Finden des eigenen Wegs – Themen, die jeden in diesem Alter bewegen. Schnell wird dem Publikum klar, dass sich Jonas nicht davon abhalten lässt, trotz Down-Syndrom seinen Alltag zu meistern und sein Leben in vollen Zügen zu genießen. Zwischen den meist in Dialogform vorgelesenen Schnipseln aus dem Familienalltag zeigte das Autoren-Duo von Jonas geschriebene Seiten und Fotos: Jonas als Baby mit den Schwestern spielend, als Kind mit Haustieren im Arm, als Jugendlicher lachend im schicken Anzug beim Tanzen.

Die Passagen aus dem Buch sind meist so fröhlich wie die Fotos. Viele Lacher im Publikum erntete Jonas für seinen charmanten Humor und seine unvergleichliche Art, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Witzige Alltagsepisoden sorgten für große Heiterkeit, etwa wenn Jonas sich, nachdem er etwas angestellt hat, mit den Worten entschuldigt: „Mutti, ich bin dein Abenteuer!“ Mit seiner Ausdrucksweise und ehrlichen Offenheit vermittelte er den Zuhörern einen authentischen Einblick in seine Weltsicht und sein Leben.

Das nächste Buch erscheint bei der Buchmesse

Natürlich gibt es da nicht nur schöne Momente. Doro Zachmann erklärt, dass Jonas nicht am Down-Syndrom leide, sondern daran, nicht angenommen zu werden. Er sei manchmal traurig, fügt Jonas hinzu, wenn niemand seine Gefühle versteht. Da ist es eine große Hilfe, was Doro Zachmann in ihrem ersten Buch über ihren Sohn feststellt: „Dir ist es in die Wiege gelegt worden, die Kunst, sich selbst zu lieben.“ Die unverstellte Lust am Sein kommt auch im Schlusssatz der Lesung voll zum Ausdruck: „Oh danke Gott, ich liebe dieses Leben!“

Damit war der Abend aber noch nicht vorbei. Mutter und Sohn präsentierten nämlich ihr nächstes Buch „Bin kein Star, bin ich“, das Mitte Oktober zur Frankfurter Buchmesse erscheinen wird. Darin erzählt Jonas Geschichten aus seinem Alltag als Erwachsener, von seiner Arbeit in einer Schreinerei und seiner Leidenschaft, dem Tanzen. Was er in der Tanzschule gelernt hat, zeigte er ganz selbstbewusst auch gleich dem Publikum und schwang zu Popmusik das Tanzbein. Danach hatten die Zuhörer die Gelegenheit, am Büchertisch zu stöbern und ein Autogramm zu bekommen.

Ein lustiger, unterhaltsamer und berührender Abend – und wie wohltuend, dass in der aktuellen Debatte um Down-Syndrom und Pränataldiagnostik endlich auch Menschen mit Down-Syndrom eine laute Stimme in der Öffentlichkeit gegeben wird.

28.04.2015

VON UTE JUNG

Region Dillenburg

"Menschen mit Macke sind origenial"

INKLUSION Benefizkonzert und -lesung für junge Menschen mit Behinderung

Herborn (s). "Menschen ohne Macke sind einfach kacke" - das behauptet Jürgen Weiss, Mitglied der Band "triOH - Irre Typen", die am Samstagabend in der Herborner "KulturScheune" gespielt hat. Mit Farid Faust und Uwe Schneider war Weiss für den musikalischen Teil der Benefizveranstaltung "Inklusive Literatur trifft auf inklusive Musik" zuständig.


Schneider mag keine Kraftausdrücke und so wurde aus der Aussage das Lied "Menschen ohne Macke sind einfach - komisch." Faust und Schneider sind behindert. Faust wurde "Er ha(u)t’s drauf" zur Melodie von "Mighty Quinn" förmlich auf den Leib geschrieben. Für seine Schlagzeugsoli erntete er von den 200 Zuhörern viel Applaus.

Schneider spielte das Instrument seiner Wahl, etwa bei "Uwe’s Harp" zu "Supertramps" "Breakfast in America". Als Zugabe brachte das Trio "Mein Freund Rüdi", das "Pur" einem besonderen und ebenfalls behinderten Freund gewidmet haben. Und den Song "Ihr seid die wahren Helden" widmete es Rudi Diessner, einem heimischen kreativen Künstler mit Down-Syndrom, der Anfang des Jahres im Alter von 55 Jahren gestorben ist.

Anzeige

Eine Botschaft - und Wortschöpfung - von "TriOH": "Jeder ist anders - einfach genial. Auch du bist richtig - ein Origenial".

"Mutti, ich bin dein Abenteuer"

Ein solches "Origenial" ist Jonas Zachmann, ein 22 Jahre alter Mann mit Down-Syndrom: "Ich bin der Chef", sagt er, wenn er mit seiner Mutter Doro Geschichten aus dem (Familien-)Leben aufschreibt, die zu einem Buch geworden sind. Ihre Themen: Alltagsgeschichten, Beziehungen, Höhen, Tiefen, Urlaube, Feiern, auch Jonas Trauer, als sein Opa starb, endlos lange Krankenhausaufenthalte und Fragen nach der Zukunft.

Das Buch "Ich mit ohne Mama" gibt Einblicke in Jonas’ Gedankenwelt: "Ich bin Knüller", sagt er selbstbewusst und definiert, was er kann und was nicht. Die Positivliste ist deutlich länger.

Als eingespieltes Team gaben Doro und Jonas Zachmann witzige Alltagsepisoden wieder. Die beiden lesen nicht einfach die Geschichten vor, sie führen einen Dialog auf der Bühne. Dabei sprüht der 22-Jährige vor Charme und hat den Schalk im Nacken. "Mutti, ich bin dein Abenteuer", sagt er etwa entschuldigend, wenn er etwas anstellt. Die beiden möchten nichts schönreden. Manchmal leidet der junge Mann auch. "Manchmal versteht niemand meine Gefühle." Er hat sich mit seiner Behinderung auseinandergesetzt und ist zu dem Ergebnis gekommen: "Ich bin Down-Syndrom, ist okay bei mir. Niemand soll mich auslachen oder bei meinem Anblick weinen." Jonas ist entweder ganz froh oder ganz traurig. "Sein Wesen drückt pure Leidenschaft aus. Es gibt für ihn nur schwarz oder weiß", erklärt seine Mutter.

Die Finanzdienstleister Thomas Pfeiffer und Achim Herrmann hatten den Abend organisiert: Die Regionalgruppe "Mitte-West" der Plansecur-Stiftung stellt jedes Jahr eine Benefizveranstaltung auf die Beine. "Wir sind reich beschenkt und möchten etwas davon weitergeben an Menschen, denen es nicht so gut geht", sagte Pfeiffer. Die Spenden des Abends - ein Eintritt wurde nicht erhoben - kommen jungen Menschen mit Behinderungen zugute: Ein Teil geht an die Lebenshilfe Dillenburg für ein neues "Airtramp", ein anderer an die Otfried-Preußler-Schule in Dillenburg für den Umbau des Schulhofs.


Ein Abend mit wahren Helden

Dillenburg, 28.04.2015


Bewegt. Berührt. Begeistert. So verließen die rund 200 Gäste der Plansecur-Benefizveranstaltung am Samstagabend die Herborner Kulturscheune. Hinter sich ließen sie ein zweieinhalbstündiges Programm, das vergangen war wie im Flug, sich aber in Kopf und Herz eingebrannt hatte.


„Ihr seid die wahren Helden, wie gut, dass es euch gibt. Ich kann nur von euch lernen. Ich weiß, dass Gott uns liebt.“ Einer der vielen Gänsehautmomente des Abends. Begleitet von dem einen oder anderen Kloß im Hals.  Dort saßen sie auf der Bühne, die selbsternannten „irren Typen“: Jürgen Weiss am Keyboard, Uwe Schneider mit der Harp-Mundharmonika und Farid Faust am Schlagzeug. Drei Musiker, zwei von ihnen mit Behinderung. Kurz: „triOH“.  Sie gestalteten den musikalischen Teil des Abends – und zogen die Zuhörer vom ersten Moment an in ihren Bann. 

 

„Ein Mensch ohne Macke ist k…“, kündigte Musikpädagoge Jürgen Weiss einen weiteren  Titel an. Uwe Schneider schwenkte daraufhin  tadelnd seinen Zeigefinger wie einen Scheibenwischer. Jürgen Weiss: „Uwe ist gut erzogen worden. Aus k…“ Räuspern von Uwe Schneider. „…machen wir also komisch. Ein Mensch ohne Macke ist komisch.“ 


Nicht nur die Texte hatten es in sich, auch die Darbietung der Künstler selbst. Mit geschlossenen Augen blies Uwe Schneider hingebungsvoll in seine Mundharmonika. Eins mit sich und der Musik. Farid Faust schlug bei zahlreichen Soli so schnell und gekonnt auf sein Schlagzeug ein, dass den Zuschauern beim bloßen Anblick der fliegenden Hände der Mund offen stehen blieb.  Unter tosendem Applaus und mit in die Höhe gestreckten Schlagzeugstöcken ließ er sich vom Publikum feiern. 

Doch nicht nur dieser Programmteil sorgte für Begeisterung, sondern auch der, den Doro Zachmann und ihr Sohn Jonas mit Leben füllten. Jonas ist 22 Jahre alt und hat gemeinsam mit seiner Mutter das Buch „Ich mit ohne Mama“ geschrieben, aus dem die beiden im Wechsel vorlasen. „Ich bin Down-Syndrom. Aber alles okay mit mir“, ließ er die Zuhörer wissen.  

 

Dann erzählten sie von unterhaltsamen Begebenheiten aus ihrem Familienalltag -  und ernteten unzählige Lacher. Etwa als sie Jonas‘ ersten Versuch, sich allein zu rasieren, schilderten – und dessen Folgen: Am Tag vor seiner Taufe hatte sich Jonas nicht nur die Barthaare, sondern auch Augenbrauen und Wimpern entfernt. Die Zuhörer erfuhren viel von Jonas, lernten seine ansteckende Lebensfreude („Danke, Gott, ich liebe dieses Leben“), seinen Sturkopf – auch schon mal seiner Mutter gegenüber - („Du kei Mann, du kei Ahnung!“) und sein Tanztalent kennen. Zu den Klängen von Sarah Connors „From Zero To Hero“ und rhythmischen Anfeuerungsklatschen der Zuschauer wirbelte er nur so über das Parkett.

 

Was dem Publikum bereits veranschaulicht wurde, betonte seine Mutter hiermit noch einmal: „Jonas leidet nicht am Down-Syndrom. Er leidet daran, ausgegrenzt zu werden. Auch bin ich als Mutter keine Betroffene. Ich bin vielmehr eine Getroffene.“ „Mitten ins Herz“, ergänzte Jonas und gab seiner Mutter einen Kuss auf die Wange. 

Angesichts dieser emotionalen Beiträge verschlug es auch den Veranstaltern Achim Herrmann und Thomas Pfeiffer zwischenzeitlich die Sprache.  Seit  ihrer Gründung stellt die Plansecur-Stiftung jedes Jahr eine Benefizveranstaltung auf die Beine. Die Spenden aus dem Abend fließen diesmal in Projekte der Otfried-Preußler-Schule und der Lebenshilfe Dillenburg, die im Rahmen der Veranstaltung vorgestellt wurden. Mit der finanziellen Unterstützung will die Otfried-Preußler-Schule ihr Schulhof-Projekt vorantreiben, die Lebenshilfe Dillenburg für das Kinderzentrum in Burg ein neues „Air Tramp“ anschaffen. 

 




SUSANNE YVETTE ... | 31.01.2015 


Doro Zachmann und ihr Sohn Jonas lasen in Walheim aus ihrem gemeinsamen Buch "Ich mit ohne Mama". 

"Ich mit ohne Mama" lautet der Titel eines ungewöhnlichen Buches, das die Sozialpädagogin Doro Zachmann und ihr 22 Jahre alter Sohn Jonas gemeinsam geschrieben haben. Ungewöhnlich deshalb, weil Jonas das Down-Syndrom hat. Mutter und Sohn stellten das Buch jetzt im Stephanushaus in Walheim vor. Fröhlich und unterhaltend gibt es Einblick in eine Familie, die die Krankheit angenommen und in ihr alltägliches Leben integriert hat.

Das eingespielte Verhältnis zwischen Mutter und Sohn ließ im Walheimer Stephanushaus eine lockere Atmosphäre entstehen. Die beiden sind ein gutes Team und haben viel Sinn für Situationskomik. Doro Bachmann beschreibt zum Beispiel Alltagserlebnisse, fein geschrieben aus der Perspektive einer erfahrenen Autorin, die "vor gefühlten hundert Jahren mal Sozialpädagogik studiert hat".

Ganz so weit weg von ihrem Studium, wie sie vielleicht glaubt, ist sie eigentlich nicht, die Autorin, die zusammen mit ihrem Mann, ihrem Sohn Jonas und zwei Schwestern ein offensichtlich nahes und harmonisches Familienleben führt. Am Vortragsabend spürte man, wie sie selbst in schwierigen Situationen die Ruhe und den Überblick bewahrt hat.

Im Buch bekommt man Einblick in den Alltag der Familie. Auf einer Leinwand werden die Charaktere vorgestellt. Jonas legt gern seinen Kopf in den Schloss seiner Mama und nennt sie liebevoll Mami, Mamilein oder Prinzessin. Auf gemeinsamen Vorträgen wie im Stephanushaus wird daraus "Mutti". Jonas amüsiert seine Zuhörer durch seine Sicht der Dinge und natürlich durch die Art und Weise, wie er Sachverhalte auf den Punkt bringt. Sein Humor und seine Komik, die er dabei ins Spiel bringt, erheiterten die rund 100 Zuhörer, ebenso die Geschichten, die seine Mutter Doro Bachmann aufgeschrieben hat.

Am Ende jeder Geschichte hat Jonas teils handschriftlich und später eingescannt seine eigenen Gedanken zu der Episode im Familienleben festgehalten. Er spricht im Buch auch darüber, wie er sich selbst wahrnimmt und mit seiner Krankheit umgeht.

"Jonas war der Auslöser für mich, beruflich neue Wege zu gehen, und schreiben tat ich schon immer gern", beginnt Doro Zachmann. Jonas beim Erwachsenwerden zu begleiten und dabei Herausforderungen, die das Down-Syndrom mit sich bringt, hautnah zu erleben, war die Chance des Abends - ein Anstupser auch für Eltern mit gesunden Kindern und vielleicht ein Anreiz, beim eigenen Kind künftig nicht mehr so schnell die Nerven zu verlieren.

Jonas und Doro Zachmann schließen damit eine Lücke: Kein Wissenschaftler kann so tief in die Materie Down-Syndrom eindringen wie ein Betroffener selbst. Zum Lebenswerk der beiden gehört auch das Vorgängerbuch "Knüller Jonas". Doch in "Ich mit ohne Mama" kommt Jonas selbst zu Wort - anfangs in einer "haarigen Geschichte", als es um das Rasieren geht.

Selbst ist der Mann denkt Jonas und weist die Mutter in die Schranken: "Nöö, du nicht einmischen in meine Sachen. Du weißt nicht, wie das ist ein Bart zu haben. Du bist kein Mann." "Da hat er recht", stimmt ihm die Mutter zu. Warten bis der Papa nach Hause kommt, will Jonas aber auch nicht. "Wenn er diesen Blick drauf hat, weiß ich schon, er lässt sich nicht umstimmen", gibt die Mutter nach, und am Ende stand Jonas mit komplett rasiertem Gesicht einschließlich Wimpern und Augenbrauen vor ihr und den Schwestern, und das einen Tag vor dem Familienfest.

Beide erzählen auch von der Entstehungsgeschichte des Buches: "Ein Jahr haben wir uns Zeit genommen. Und Jonas hat sich immer wieder gern an mein "Tip Top", wie er meinen Laptop nennt, gesetzt und leider zu früh die Escape-Taste entdeckt und viel Spaß mit ihr gehabt. Doch einiges ist erhalten, auch Handschriftliches von ihm, und so konnte er letztlich doch sein eigenes Buch schreiben", beschreibt die Mutter den Prozess.

Fünf Themen bilden den roten Faden: Alltagsgeschichten, Beziehungen und Freundschaften pflegen, Urlaube, Feste und auch, wie Jonas Trauer erlebt hat, als sein Opa gestorben ist. Ein weiteres Kapitel macht sein Selbstverständnis zum Thema und gibt Einblick, wie er mit dem Down-Syndrom lebt.

Viele Menschen mit Down-Syndrom lieben besonders die Schlagermusik - auch Jonas Zachmann. Er sang voller Freude seine Lieblingslieder und -ohrwürmer in Walheim. Am Ende steht die Botschaft, dass das Leben lebenswert ist, egal wie viele Chromosomen man hat.




Badische Neueste Nachrichten | Pforzheimer Kurier | ENZKREIS | 05.12.2014

Seite 26




Ich bin ich, Mama ist anders“

Jonas Zachmann hat das Down-Syndrom und beeindruckt das Publikum bei Lesung in Ölbronn

Charme, Witz und Intelligenz

Ölbronn-Dürrn (eld). „Ich bin ich, Mama ist anders.“ Jonas Zachmann hat das Down-Syndrom. Gemeinsam mit seiner Mutter Doro Zachmann las er in der evangelischen Kirche von Ölbronn aus dem Buch „Ich mit ohne Mama“, das die beiden zusammen geschrieben haben. Es war eine außergewöhnliche Lesung, die die fast 100 Zuhörer mehr als gut unterhalten hat. Mit Charme, Witz und Intelligenz hat der 22-jährige Jonas Zachmann die Menschen für sich gewonnen und damit einmal mehr deutlich gemacht, dass auch Menschen mit „Down-Syndrom“ ein normales und lebenswertes Leben führen können.

Es geht um Integration, wir wollen Augen öffnen“, erklärte Heike Plapp vom evangelischen Kirchengemeinderat, wie es zur außergewöhnlichen Lesung im Gotteshaus kam. Es war die erste Veranstaltung dieser Art in der Kirche, bei der zwischen den einzelnen Leseabschnitten das Musikteam der evangelischen Kirchengemeinde Ölbronn mit modernen Kirchenliedern aufspielte.

Mutter Doro Zachmann war zur Lesung aus Pfinztal gekommen, Sohn Jonas war aus Karlsruhe angereist. Dort lebt der junge Mann seit März 2012 in einer betreuten Wohngemeinschaft. In ihrem Buch zeichnen die beiden Autoren den Weg des jungen Mannes bis ins Erwachsenenleben nach.

Doch wie hat man sich dieses gemeinsame Arbeiten vorzustellen? Jonas Zachmann habe auf dem Laptop getippt, bis er die Reset-Taste entdeckte und toll fand, alles wieder zu löschen, erzählt die Mutter. Es gibt aber auch handschriftliche Aufzeichnungen von ihm, von denen sich einige im Buch wiederfinden. Gerne aber hat er seiner Mutter einfach diktiert. „Ich war Chef“, stellt er in Ölbronn mit einem schelmischen Grinsen fest. Die beiden griffen stets die im Moment aktuellen Themen auf, darunter recht haarige wie das Rasieren. „Ich bin mein Lieblingsmann“ stellt Jonas Zachmann fest und ließ sich schon damals beim Bartrasieren nicht reinreden. „Das ist ganz normal“, weiß Doro Zachmann, Mutter von weiteren drei Töchtern, dass das bei Jugendlichen nicht ungewöhnlich ist. „Hast du Bart? Nein! Du kein Mann und keine Ahnung“, stellt indes Jonas kurz und ziemlich treffend fest. Doch Jonas ist auch anders. Auch das wird bei der Lesung deutlich. „Der Umgang mit Zahlen ist eine große Herausforderung“, macht Mutter Doro Zachmann deutlich, wie mühsam es sein kann, wenn Jonas einen Termin um 14 Uhr hat und den Bus um 14.08 Uhr nehmen will. Da hilft auch keine Diskussion.

Uhr ist schwierig mit mir“, gibt Jonas zu. „Kann schreiben und denken in mein Kopf drin“, stellt er klar, dass er trotz seiner Krankheit ein Mensch mit Gedanken und Empfindungen ist und sein Leben auf seine Weise vielleicht sogar besser meistert als ein vermeintlich gesunder Mensch. Jonas ist ein lebensfroher Mensch, so erlebten ihn die Besucher in Ölbronn.

122355717!1

IHR GEMEINSAMES BUCH stellten Doro und Jonas Zachmann bei der Lesung in der evangelischen Kirche in Ölbronn vor. Das Musikteam der evangelischen Kirchengemeinde spielt moderne christliche Lieder. Foto: eld

Presse Spaichingen 14.11.14
Mutter und ._. zusätzlichem Chromosom) S
Adobe Acrobat Dokument 764.2 KB
Presse Friedrichshafen
2014-05-16 - Lesung Zachmann FN.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.4 MB

 

Allgemeine Zeitung

Nachrichten Alzey 25.02.2014

„Jedes Leben ist lebenswert“



Von Carmen Missal

DOWN-SYNDROM Doro und Jonas Zachmann lesen in Baptistengemeinde aus ihrem Buch

ALZEY - „Ich bin ich, einzigartig, und ich bin erwachsen“, sagt Jonas über sich. Ein lebensfroher junger Mann, der mit seiner herzerfrischenden Art und seiner Lebensfreude seine Mitmenschen verzaubert. Aber doch ist er anders als seine Mitmenschen. Jonas hat das Down-Syndrom, eine genetische Erkrankung. Außerdem leidet er seit Geburt an einem Herzfehler. Vor eineinhalb Jahren ist er von Zuhause ausgezogen. Nun lebt der 21-Jährige in einer betreuten Wohngemeinschaft in Karlsruhe und arbeitet in der Schreinerei der Werkstatt der Lebenshilfe.

Mit seiner Mutter Doro Zachmann war er nun in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Alzey zu Gast. Abwechselnd lasen Mutter und Sohn aus ihrem gemeinsamen verfassten Buch „Ich mit ohne Mama“ vor. Mit Sätzen wie „du kein Mann, du keine Ahnung“ zum Thema „Rasieren“ brachte er das Publikum immer wieder zum Schmunzeln und Lachen. Auch bot er eine kleine Gesangseinlage und animierte die Zuhörer zum gemeinsamen Tanzen auf der Bühne. Musikalisch wurde die Lesung von Familie Hasenclever begleitet.

„Wir sind regelmäßig auf Lesetour“, erläuterte Doro Zachmann. Im April werden beide nach Sachsen, Ostfriesland und Sylt reisen, um dort ihr Buch zu präsentieren, das den Titel trägt „Jedes Leben ist lebenswert, egal mit wie vielen Chromosomen!“.

Das neueste Werk der Pfinztaler Autorin handelt vom Erwachsenwerden ihres Sohnes. Die fünf großen Themen „Alltag“, „Beziehungen“, „Höhen und Tiefen“, „Selbstverständnis“ und „Zukunftsfrage“ waren Hauptpunkt des Buches. „Mein Sohn wollte unbedingt ein Buch schreiben und aus seinem Leben erzählen“, erklärte Doro Zachmann. Neben den Textpassagen wurden auch zahlreiche Bilder aus dem Leben des jungen Mannes gezeigt.

Drei Bücher über Jonas

„1999 habe ich mit dem Schreiben begonnen“, erzählte die gelernte Sozialpädagogin. Zuerst nur im privaten Rahmen, um die Geschehnisse rund um die Geburt von Jonas zu verarbeiten. „Irgendwann wurden meine Einträge von Freunden gelesen und mir wurde Mut gemacht, die Texte zu veröffentlichen“, ergänzte die Schriftstellerin. Bis jetzt sind bereits drei Werke über Jonas erschienen, wobei das jetzige dritte Buch von beiden gemeinsam verfasst wurde. „Das Schreiben ist ein Ventil“, sagte die 46-jährige Zachmann. „Wir möchten auch anderen betroffenen Eltern Mut machen.“

Über Pastor Christoph Petersen kamen Mutter und Sohn nach Alzey. „Unser Pastor hatte das Buch gesehen und die Familie im Rahmen ihrer Lesetour eingeladen“, erklärte Nils Birschmann, der ehrenamtlich in der Gemeindeleitung tätig ist. „Ein wichtiges Anliegen ist uns, die Fröhlichkeit und ein neues Weltbild zu zeigen“, erklärte der Pressereferent.

 

Presse Neunkirchen.jpg
JPG Bild 483.8 KB

 

Buch schreiben, Spaß haben“

 

Doro Zachmann und ihr behinderter Sohn lesen in Gräfenhausen aus ihrem gemeinsamen Werk

 

Birkenfeld-Gräfenhausen (ro). „Pizza stellen“: Jonas fackelt nicht lange und greift zum Telefon. „Wann kommst du? Was? So lange? Habe Hunger.“ Dann steht er am Straßenrand und wartet auf den Pizza-Lieferanten. Grinsend von seiner Mutter Doro Zachmann beobachtet, die gleichzeitig vor Stolz platzt undn weiß: Jetzt wird ihr Sohn erwachsen.

 

120 Gäste wurden am Freitagabend im evangelischen Gemeindehaus Gräfenhausen Zeuge der nacherzählten Szene, die man auf den ersten Blick als banal einstufen mag. Doch für die in Pfinztal

 

wohnende Familie gleicht die Pizzabestellung des Teenagers Jonas einem kleinen Wunder, denn dieser ist mit dem Down-Syndrom auf die Welt gekommen.

 

Jonas ist inzwischen 21 Jahre alt und hat sogar eine eigene Adresse mitten in Karlsruhe, wo er in einer Wohngemeinschaft lebt und jeden Tag zur Arbeit in eine Schreinerei geht. Und der junge Mann kann noch mehr als „äwaxen“ zu werden: „Buch schreiben, Spaß haben.“

 

Denn genau das beschließt Jonas eines Tages, als sein Mamilein, das seit seiner Geburt Bücher über ihre Erlebnisse mit ihrem behinderten Kind schreibt, zu einer Lesereise aufbricht. Jonas macht sich umgehend an die Arbeit. Doch die Handschrift ist kaum leserlich. Am Computer schreibt Jonas zwar, freut sich

 

aber noch mehr über die dahinflitzende Reset-Taste und so kommt es, wie es kommen muss: „Ich Chef, Mama Sekretärin.“

 

Mit dem 340 Seiten starken Ergebnis „Ich mit ohne Mama“ sind Mutter und Sohn seit Februar 2012 bei Lesungen präsent – und immer ein Publikumsmagnet. So ist auch Reinhard Wolfinger, stellvertretender Kirchengemeinderats- Vorsitzender, überrascht über den Ansturm, den die Zachmanns an diesem Abend auslösen. 120 Gäste stürzen sich gleich in der Pause auf die Bücher, die Karten und Kalender. Und Jonas muss die ersten Autogramme geben. Das reicht nie und nimmer, was Jonas bekannt gibt: „Jeder von euch hat 20 Minuten Pause.“

 

Der Begriff Lesung reicht hier nicht aus: Es ist fast schon ein Schauspiel. Eines, in dem Jonas immer wieder Regieanweisungen gibt und Mutter Doro korrigiert, wenn sie auch nur ein „Oh“ vorzulesen

 

vergisst. Die Gäste nehmen an diesem Abend anhand von Erzählungen und Fotos, das den immer strahlenden Jonas auch mit den gesunden Schwestern und seinem Papa zeigt, teil an der harmonischen Familie, die durch Dick und Dünn geht.

 

Jonas, der auch schon Herzoperationen durchstehen musste, weiß sehr wohl: „Ich anders. Ich Down-

 

Syndrom.“ Und: „Aber is okay bei mir.“ Mit seinem Handy kann Jonas Zachmann übrigens mehr, als nur Pizza bestellen. „Mama, bring’s du Popopier“ hört seine verdutzte Mutter durchs Telefon. Ihr Sohn hat sie von der Toilette aus auf dem Festnetz angerufen.

 

Dann reicht es Jonas aber erst einmal mit Erzählen und Fotos zeigen. „Du singst, ich tanze“, sagt er zum Neuenbürger Gitarrist Rainer Blank, der den Abend musikalisch umrahmt – und dann können 120 Gäste zuschauen, wie der Buchautor Jonas Zachmann ein flottes Tänzchen hinlegt und dabei selig strahlt. Unbefangen, voller Lebensfreude.

 

 

 

 

 

 

 

WENKHEIM

Leben mit Down-Syndrom: Höhenflüge und Alltagsherausforderungen

Berührte die Zuhörer: die Lesung mit Doro und Jonas Zachmann über ihr Leben mit dem Down-Syndrom. Foto: Klaus Reinhart

Wie ein Leben im Alltag mit Down-Syndrom aussieht erzählten Doro und Jonas Zachmann in der gut gefüllten evangelischen Wenkheimer Kirche. Mutter und Sohn waren auf Initiative von Alex und Andreas Winkmann aus Wenkheim gekommen, deren viertes Kind selbst Down-Syndrom hat.

Lachen und Rührung

Anschließend erzählten Mutter und Sohn gemeinsam aus Situationen von ihrem „ganz normalen“ und doch „besonderen Leben“. Sie nutzten dabei ihr gemeinsam geschriebenes Buch, um von den Höhenflügen und Alltagsherausforderungen zu berichten. „Ich mit ohne Mama“ sorgte dafür, dass man als Zuhörer feuchte Augen bekam – vor Lachen und vor Rührung gleichermaßen.

Jonas Zachmann ist mit Down-Syndrom und einem schweren Herzfehler 1992 auf die Welt gekommen. Zahlreiche Operationen waren notwendig. All diese Umstände halten ihn aber nicht davon ab, die Hürden des Alltags auf originelle Weise zu meistern. Von seiner Lebensfreude und seinem Charme profitiert nicht nur seine Familie. Es gelingt ihm ohne Probleme, die Herzen der Menschen um sich herum zu gewinnen. Auch in Wenkheim.

Nach dem ersten Teil legte es eine Tanzvorführung hin, die die Zuhörer zu Begeisterungsstürmen hinriss. Als Botschaft am Ende der interessanten Lesung stand die Botschaft: Das Leben ist absolut lebenswert – egal mit wieviel Chromosomen ein Mensch auf die Welt kommt.

Nach der Lesung gab es noch gute Möglichkeiten mit Doro und Jonas am Büchertisch ins Gespräch zu kommen, was von den Kirchenbesuchern intensiv genutzt wurde.

Pfarrer Oliver Habiger hatte zuvor die „etwas andere“ evangelische landeskirchliche Kirchengemeinde mit all ihren vielen Angeboten für Jung und Alt vorgestellt.

Erinnerungsfoto: Bei der Lesung mit Doro und Jonas Zachmann (rechts) gab es nur freudige Gesichter als man sich mit Pfar... Foto: Klaus Reinhart

 

LESUNG
Autor mit Down-Syndrom liest mit seiner Mutter
01.12.2013 | 17:20 Uhr

 


Ergänzen sich gut: Doro und Jonas Zachmann.Foto:Jürgen Theobald
Hattingen.   Gelungene Kulturwerkstatt-Veranstaltung

Mehr Besucher als erwartet kamen zur Kulturwerkstatt-Veranstaltung bei Scheffler Mobilität, Kreisstraße: 100 Interessierte hörten am Samstag Jonas und Doro Zachmann zu. Jonas Zachmann (21) hat das Down-Syndrom - und schrieb mit seiner Mutter „Ich mit ohne Mama“.

Weil er im Hotel schlafen wollte wie Mama bei Lesungen, die u.a. schon zwei Bücher über ihr Leben mit ihm schrieb, entschied Jonas, selbst Autor zu werden. Die live vorgetragenen Auszüge des Ergebnisses begeistern das Publikum. Denn es bekommt berührende Geschichten zu hören aus der Zeit, als Jonas Zachmann entdeckte, dass er anders ist als andere, aber auch Szenen, die herzhaft lachen lassen - zum Beispiel als Jonas sich just vor einer Familienfeier alleine rasierte und sich nicht nur die Barthaare, sondern auch Augenbrauen und Wimpern entfernte.

Ungezwungen tanzt Jonas Zachmann zur Musik von Marisa und Simone Pelke. Und wenn Doro Zachmann den Faden verliert, liefert er ihr wieder das Stichwort. Immer wieder nimmt er sie in den Arm, gibt ihr einen Kuss, wenn das Duo das Vorlesen unterbricht, um Fotos zu zeigen. Eine gelungene Lesung in ungewöhnlicher, weihnachtlich dekorierter Werkstatt-Umgebung.

Liliane Zuuring

Autor mit Down-Syndrom liest mit seiner Mutter | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/staedte/hattingen/autor-mit-down-syndrom-liest-mit-seiner-mutter-id8722975.html#plx539650911

 

 

Schwäbische Zeitung, Stadtnachrichten Ehingen

Jonas Zachmann wickelt alle ein

Jonas Zachmann bezauberte mit seinem Humor und Charme die Zuhörer in der Schmiechtalschule, hier mit seiner Mutter Doro Zachmann.

Jonas Zachmann bezauberte mit seinem Humor und Charme die Zuhörer in der Schmiechtalschule, hier mit seiner Mutter Doro Zachmann. (Foto: kö)

EHINGEN / kö „Es ist nicht zu sagen, wie viel Freude er in unser Leben gebracht hat“, sagte Doro Zachmann über ihren Sohn Jonas, 21 Jahre alt. Der Schalk blitzte dem jungen, etwas pummeligen Mann nur so aus den Augen, mit seinem Humor hatte er schnell die Zuhörer am Freitagabend in der Schmiechtalschule für sich eingenommen.

Jonas Zachmann ist mit dem Down-Syndrom, einer Trisomie des Chromosom 21, geboren und gilt daher als behindert. „Ich bin Down Syndrom, ist ok bei mir, ich coole Leben hab“, sagte der junge fröhliche Mann von sich selbst.

Im Dialog mit seiner Mutter erzählte er aus seinem Alltag in der Familie mit den drei Schwestern. Seit einem Jahr lebt er in einer ambulant betreuten drei-Männer-WG, arbeitet in einer Schreinerei und entwickelt, so seine Mutter, immer mehr Eigenständigkeit. Wie sich Jonas ohne jede Hilfe Geld von seinem Konto geholt, telefonisch eine Pizza bestellt und auf den Pizzadienst gewartet und ihn mit einem Trinkgeld belohnt hat, berichtete sie und dass sie dabei vor Stolz auf ihren Sohn fast geplatzt sei.

Bücher über das Leben mit Behinderung

„Er hat ein fröhliches, albernes Gemüt, sein ganzes Wesen drückt Lebensfreude aus. Er lebt den Augenblick“, sagte die Mutter über ihren Sohn. Der neckte sie immer wieder, sagte spaßeshalber „Mutti“ zu ihr, was die Mama gar nicht leiden konnte und korrigierte sie, wenn sie sich nicht ans Manuskript hielt. Die Zuhörer hatten ihre helle Freude an ihm.

Über das Leben mit ihrem Kind hat die Sozialpädagogin Bücher geschrieben. Das neueste Werk heißt „Ich mit ohne Mama“ und handelt von Jonas' neuer Selbstständigkeit. Erzählungen und Zeichnungen von Jonas sowie Fotos und Tagebuchaufzeichnungen der Mutter sind zu einem Buch zusammengeflossen. Der Alltag von Jonas, Beziehungen, Freundschaften, Höhen – zum Beispiel eine Segelfreizeit in Schweden – und Tiefen wie Krankenhausaufenthalte – Jonas hat einen schweren Herzfehler – und die Zukunft von Jonas sind die Hauptthemen.

Wie Jonas sich selbst, als der Vater nicht da ist, rasieren will und dabei die Augenbrauen gleich mitnimmt, erzählte Doro Zachmann, immer wieder unterbrochen von witzigen Seiteneinwürfen ihres Sohnes, der auch gern mal selbst ein Stück vorlas. Am besten aber kann Jonas tanzen und zeigte das dem Publikum. „Die Choreographie entsteht hier und jetzt“, kommentierte die Mutter.

(Erschienen: 19.10.2013)

„Ich bin anders, aber bin okay so“

Doro und Jonas Zachmann über ihr gemeinsames Buch und das Anderssein der Menschen mit Down-Syndrom
Doro und Jonas Zachmann
Doro und Jonas Zachmann (Foto: Anita Metzler-Mikuteit)

BAD SAULGAU / sz Auf Einladung des Fördervereins der Aicher-Scholl-Schule – er feiert in diesen Tagen sein 30-jähriges Bestehen – haben am Samstag Doro und Jonas Zachmann im Blumengarten von Dieter Braun aus ihrem gemeinsam verfassten Buch gelesen. Jonas kam vor 20 Jahren mit Down-Syndrom und einem schweren Herzfehler zur Welt. Jonas’ Mutter Doro hat seinen Lebensweg und den der ganzen Familie von Anfang an dokumentiert. Nach den ersten Büchern der Mutter „Mit der Stimme des Herzens“ und „Bin Knüller“ folgte vor Kurzem ein gemeinsames Werk „Ich mit ohne Mama: Knüller Jonas wird erwachsen“. Die beiden Autoren, Mutter und Sohn, stellten es an diesem Nachmittag vor. SZ-Mitarbeiterin Anita Metzler-Mikuteit befragte sie nach der Lesung.

Wie geht es Ihnen nach der Lesung im Blumengarten von Dieter Braun?

Doro Zachmann: Wir sind erfüllt, dankbar, beschenkt, bereichert, so viele schöne Rückmeldungen kann man gar nicht auf einmal verdauen.

Jonas Zachmann: Ist gut bei mir, aber bin müde und hab Hunger. Nette Leute da.

Frau Zachmann, Sie haben erstmals gemeinsam mit Ihrem Sohn ein Buch geschrieben. Welche Beweggründe gab es dazu?

Doro Zachmann: Nachdem ich ja bereits zwei Bücher über Jonas geschrieben hatte, fand ich seine Idee, selbst schreiben und aus seinem Leben berichten zu wollen, einfach nur großartig. Wer könnte ein besserer Botschafter sein, als er selbst? Ich war sozusagen nur helfende Kraft, schmückendes Beiwerk oder - wie Jonas meint - seine Sekretärin.

Sie haben während der Lesung deutlich Kritik an der Presse geübt. Etwa deshalb, weil es regelmäßig heißt: „Jonas „leidet“ an einem Down-Syndrom. Am Samstag wurde deutlich, dass das so gar nicht der Fall ist. Es scheint, als könnten Nichtbehinderte von Jonas noch viel lernen….

Doro Zachmann: Ja, da haben Sie recht. Ich lerne auch nicht aus und bin so dankbar für den genialen Lebenskünstler und Lehrmeister an meiner Seite!

Jonas hat aber auch deutlich zu verstehen gegeben, womit er nur schwer klarkommt: Mit dem Gefühl der Ausgegrenztheit. Oder mit der Angst, ausgelacht zu werden. Einfach deshalb, weil er „anders“ ist. Wo müsste Ihrer Meinung nach – in der Familie, in Politik und Gesellschaft - hier angesetzt werden, damit Jonas vor solchen Situationen keine Angst mehr haben muss?

Doro Zachmann: Wir sind ja politisch schon auf einem ganz guten Weg mit der Inklusion. Allerdings steckt noch alles in den Kinderschuhen, und es ist nicht so einfach, die Theorie in die Praxis umzusetzen. Und Veränderung in den Köpfen und Herzen der Menschen passiert auch nicht von heute auf morgen. Da braucht es viel Geduld von allen Seiten. Was mich persönlich sehr ärgert, sind Rückschritte, die sich Fortschritte nennen, wie zum Beispiel der neue Bluttest, mit dem Behinderungen wie das Down-Syndrom regelrecht ausgemerzt werden sollen. Da frage ich mich dann schon, ob wir wirklich dazugelernt haben.

„Aber Gott sagt mir ich gut bin“ heißt es in einer Zeile, die Jonas geschrieben hat. Wie viel Raum nimmt der Glaube in Ihrer Familie ein?

Jonas Zachmann: Will nicht, Leute lachen bei mir, das ist doof! Kann nix für, ich anders bin, aber bin okay so! Jesus ist mein Freund und wohnt er immer meine Herzen und passt er mich auf, das ist gut.

Doro Zachmann: Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich alles aus Gottes Hand nehmen und wissen darf, dass er uns im Blick hat und es gut mit uns meint. Das habe ich mein ganzes Leben lang so erfahren, und daran zweifle ich auch in Tagen des Kummers nicht.

 

Auch wenn sich vieles leicht und unbeschwert anhört. Es gab bestimmt Zeiten, in denen Sie nicht weiter wussten und keine Kraft mehr hatten. In welcher Form haben Sie neue Energien und Zuversicht getankt?

Doro Zachmann: Zum Glück bin ich ja nicht allein unterwegs und muss nicht alles aus eigener Kraft schaffen (was ich auch gar nicht könnte): Da gibt es meinen Mann, meine Familie, meine Freunde und vor allem Gott, von dem ich mich getragen weiß.

Jonas, gibt es etwas, was du dir im Moment oder für die Zukunft ganz besonders wünschst?

Jonas Zachmann: Wünsche mir Freundin zu haben und verliebt sie sich bei mir. Das wünsche ich mir meinem Leben. Aber kommt sie noch? Irgendwann, ich hübscher Jonas bin!

(Erschienen: 30.09.2013 19:31)

 

13. April 2013  | mam

Lebenslust trotz Down-Syndrom

Lesung – Der 20 Jahre alte Jonas Zachmann schreibt mit Mutter Doro ein Buch über den Alltag der sechsköpfigen Familie

 

Vergrößern | Kuscheln mit Mama: Jonas Zachmann hat als Buchautor mittlerweile bereits Routine darin, mit Mutter Doro Lesungen zu geben. Am Donnerstagabend waren beide auf Einladung von Frauenbund und Bücherei Sankt Peter in der Alten Sparkasse in Heppenheim. Foto: Karl-Heinz Köppner

HEPPENHEIM. 


Jonas ist der Knüller, das weiß er selbst. Und er hat Spaß am Leben, an gutem Essen, Sport und Musik. Dass er ein Chromosom zu viel hat, damit hat er seinen Frieden gemacht. „Ich bin Down-Syndrom. Abba ist o.k. bei mir“, sagt er selbst. Doof findet er nur, wenn andere Menschen ihn anglotzen und über ihn lachen.

Er leidet nicht am Down-Syndrom, sondern daran, ausgegrenzt zu werden“, betont Mutter Doro Zachmann. Sie selbst sei keine „Betroffene“: „Ich bin getroffen und zwar mitten ins Herz hinein“. Welche andere Mutter bekomme von einem damals 17 Jahre alten Sohn noch Briefe mit dem Satz „Ich liebe Dich“?

Jonas und Doro Zachmann haben gemeinsam ein Buch über das Leben der Familie geschrieben, zu der noch Vater Wolfgang Zachmann und drei ältere Schwestern gehören. Am Donnerstagabend lasen beide in der Alten Sparkasse vor vollem Saal berührende Passagen aus „Ich mit ohne Mama“. Eingeladen hatten der Katholische Frauenbund und das Büchereiteam der Pfarrgemeinde Sankt Peter.

Der Zwanzigjährige kann nicht nur lesen und schreiben; er ist mittlerweile auch zuhause ausgezogen. Er lebt seit Sommer 2012 mit zwei anderen jungen Männern in einer Wohngemeinschaft, die nur abends für zwei bis drei Stunden betreut wird. Früh aufstehen, sich alleine fertig machen und mit Fahrrad und Bahn in die Schreinerei der Lebenshilfe fahren – all das hat er mittlerweile gemeistert.

Und das, obwohl er es mit Zahlen nicht so hat, und er seiner Mutter noch mit 18 Jahren erklärt hat, dass es für den Termin um 14 Uhr doch reiche, wenn er den Bus um 14.08 Uhr nimmt. „Bus ist superschnell“, argumentierte Jonas. Dass er Zeit für den Weg zur Haltestelle, die Fahrt und den Weg zur Praxis einplanen muss, wollte er nicht wahrhaben. „Uhr ist schwierig bei mir, außer Handy. Kann gut lesen“, sagt Jonas.

Dass er einmal so selbstständig werden würde, hat seine Mutter bei seiner Geburt nicht zu träumen gewagt. Doch immer wieder habe ihr Sohn sie mit Fortschritten überrascht. Eines Tages hob er selbstständig bei der Bank Geld ab, bestellte zuhause am Telefon beim Lieblingsitaliener eine „Pizza mit Boponäse“. „Ist für mich alleine“, sagte er der stolzen Mutter, als der Pizzabote tatsächlich eintrudelte.

Doro Zachmann liebt an ihrem Sohn „das fröhliche Gemüt, unverstellte Ehrlichkeit, köstlichen Humor und unbeschreibliche Originalität“. Doch er habe auch seinen eigenen Kopf. Sie schildert, wie Jonas beschlossen hat, bei minus zehn Grad eine dreiviertellange Hose und ein kurzes Hemd anzuziehen. „Ich friere schon beim Hinschauen“, erinnert sich die Mutter. „Lass mich, bin äwaxxen, mir ist nicht kalt“, antwortete der Sohn.

Anreise mit Navi-Schwierigkeiten

Die Lesung in Heppenheim startete mit einigen Tücken. „Das Navi wollte die Ladenbacher Straße nicht akzeptieren“, schildert Doro Zachmann das Problem. Der Vertipper sorgte für Stress bei der Anreise. Endlich angekommen ließ sich die Leinwand nicht entrollen. Eine Stellwand wurde zum Ersatz. Zu Beginn wirkte Jonas zudem müde. Die Mutter ermahnte ihn, lauter und deutlicher zu sprechen. „Mama, Du nervst“, kam die Antwort. Doch kurz darauf kuschelte er schon wieder mit der Mutter.

Spätestens als der Zwanzigjährige eine Tanzeinlage mit komplizierter Choreografie gegeben hatte und dafür großen Applaus erhielt, ist er wieder wach. Im Saal tanzt ein kleines Mädchen begeistert mit. Eine andere Mutter hat ihren drei Jahre alten Sohn mitgebracht. Die Lebenshilfe Heppenheim hatte ihre Mitglieder auf die Lesung aufmerksam gemacht, die Mut zur Entscheidung für das behinderte Kind mache.

Die Idee zum dritten Buch in der „Jonas-Trilogie“ hatte der Sohn. „Schreib ich näxxstes Buch, kein Problem“, lautete die Ansage, als die Mutter immer wieder ohne ihn zu Lesungen aufbrach. Er steuerte handschriftliche Passagen bei und war „Chef“ bei den Texten, die die Mutter nach seinem Diktat tippte. Zuvor hatte Doro Zachmann in den zwei Vorgängern „Mit der Stimme des Herzens – Meine ersten Jahre mit Jonas“ und „Bin Knüller! – Herz an Herz mit Jonas“ die Kindheit festgehalten. Der dritte Band deckt Pubertät, das Erwachsenwerden und damit auch dunklere Zeiten ab. Dabei sei Jonas’ gesundes Selbstvertrauen ins Wanken gekommen und er habe sich damit auseinandergesetzt, Down-Syndrom zu haben, so Zachmann.

Weil er wie 60 Prozent der Menschen mit Down-Syndrom mit einem Herzfehler geboren wurde, musste Jonas zweimal, mit acht Monaten und 14 Jahren, operiert werden. Eine dritte Operation am Herzen könnte irgendwann nötig werden. Mit 16 brach er sich zudem die Hand bei einem Arbeitsunfall im Bauhof. Doch dann kommen immer wieder Tage, an denen er aus vollem Herzen sagt: „Danke Gott, ich liebe dieses Leben“.

 

 

 

 

 

MONTAG, 18. MÄRZ 2013

Leipzig liest 2013 - Doro und Jonas Zachmann bei der Lebenshilfe

Ungefähr 80 Besucher ließen am 15. März die Frühförderstelle der Lebenshilfe Leipzig aus allen Nähten platzen – die Autoren Doro und Jonas Zachmann hatten zur Lesung geladen und bis aus Dresden und Erfurt waren Gäste angereist.

Doro und Jonas Zachmann vergnügten, berührten und unterhielten anderthalb Stunden mit einem sehr abwechslungsreichen Programm das Publikum. Mittelpunkt der Veranstaltung war das Buch „Ich mit ohne Mama“, in dem die Autoren anekdotenreich schildern, wie der inzwischen 20jähriges Jonas erwachsen wird. Freie Erzählungen und Dias begleiteten die Lesepassagen. Es herrschte eine wunderbar lebendige Stimmung, die von der Dynamik und Spontaneität des Mutter-Sohn-Duos getragen wurde.

Eine 20minütige Pause in der Mitte und eine Frage-Antwort-Runde am Ende der Lesung gab den Besuchern die Möglichkeit, mit den beiden Autoren ins Gespräch zu kommen. „Ich bin keine Betroffene, sondern eine Getroffene,“ stellt Doro Zachmann klar, „und zwar mitten ins Herz hinein“. Und der Sohn? „Ja, ich bin Daun-Zitron,“ fasst Jonas Zachmann schulterzuckend zusammen, „aba ist okay bei mir.“

DIENSTAG, 29. JANUAR 2013

Interview mit Doro und Jonas Zachmann



Jonas Zachmann ist 20 Jahre und hat das Down-Syndrom. Gemeinsam mit seiner Mutter Doro Zachmann veröffentlichte er im Jahr 2012 ein Buch über Hürden und Erfolge beim Erwachsenwerden. „Ich mit ohne Mama“ ist ein persönlicher, berührender und stets humorvoller Leitfaden für Eltern, die ein Kind mit geistiger Behinderung auf dem Weg ins Erwachsenenalter begleiten – und überhaupt einfach ein wunderbares Buch!


Am 15. März 2013 besuchen Jonas und Doro Zachmann die Lebenshilfe Leipzig, um aus ihrem gemeinsamen Buch vorzulesen. Die Lesung wird von einer Diashow und Musik begleitet. Sie ist offizieller Teil des Lesefestivals »Leipzig liest« der Leipziger Buchmesse und des Filmfestivals »Überall dabei« der Aktion Mensch.
Wann? 15. März 2013, 19:30 Uhr
Wo? Interdisziplinäre Frühförderstelle der Lebenshilfe Leipzig, Käthe-Kollwitz-Straße 68
  
Wir laden Sie sehr herzlich zu dieser Lesung ein! Der Eintritt ist frei.

Im Vorfeld der Veranstaltung waren die Autoren gerne zu einer kleinen Fragerunde bereit.
Doro und Jonas Zachmann, haben Sie manchmal Angst, dass Sie zuviel über sich und das Familienleben preisgeben?
JZ: Nö, ist mutig und cool. Will gern andere wissen, wie´s mir geht und mein Fühlen.
DZ: Nein, ich bin grundsätzlich ein offener Mensch, das zieht sich auch durch meine Bücher. Und natürlich wähle ich bewusst, worüber ich wie viel erzähle und worüber eben nicht.

Jonas, in einer beeindruckenden Passage des Buches berichten Sie darüber, dass Sie nicht wollen, dass die Leute „glotzen“. Jetzt sind Sie ein bekannter Mann und werden oft mit Bewunderung angeschaut. Das muss doch eine Befreiung sein …
JZ: Wenn Leute mich anschauen, wenn sie mich anlachen, das ist ansteckend, ist schön so. Aber trotzdem glotzen noch Leute, das ist blöd! Aber Leute freut sich über mich und das ist gut.

Bekommen Sie jede Woche Fanpost?
JZ: Ja, hab ich viel Fanpost, ist cool. Aber ich hab kein Bock immer zurück schreiben.

Seit einer Weile arbeiten Sie nun auch in der Schreinerei einer Werkstatt. Wie vereinbaren Sie beide Jonas' Berufsleben mit dem Unterwegssein für Lesungen?
JZ: Wochenende, wenn wir Lesung haben, passt genau recht. Ich arbeite von Montag bis Freitag, dann, wenn ich Wochenende habe, können wir Lesung gehen oder Urlaub nehmen.
DZ: Ja, genau, da müssen wir gut jonglieren. Inzwischen haben wir Jonas Urlaubstage für 2013 voll verplant - natürlich nicht nur für Lesungen, Urlaub muss ja schließlich auch noch sein! -, so dass wir jetzt nur noch Wochenendtermine annehmen können.

Frau Zachmann, Ihre Kinder sind alle aus dem Haus. Ist jetzt die Freude über die Entlastung oder die Sorge stärker?
DZ: Eindeutig die Freude! Sorgen mache ich mir über keins unserer Kinder, dazu habe ich einfach keinen Anlass. Sie gehen alle ihren unterschiedlichen Weg und ich bin sehr stolz auf sie. Und nachdem das stille, leere Haus die ersten Monate schon seltsam war, können mein Mann und ich nun auch zunehmend unsere neu gewonnene Zweisamkeit und die entstandenen Freiräume genießen.

Hätten Sie Jonas vor fünf Jahren die Selbstständigkeit zugetraut, die er jetzt beweist?
DZ: Nein, ganz sicher nicht. Ich hatte zwar immer den Wunsch, Jonas loslassen zu können, wenn er das selbst möchte, also auch seinen eigenen Weg gehen zu lassen und ihn nicht Zuhause fest zu halten, aber ich hätte mir damals nicht vorstellen können, dass er bereits mit 19 Jahren auszieht und es so gut klappt mit seiner Selbständigkeit. Unser Sohn überrascht uns doch immer wieder neu! Dieser Auszug hat ihm wieder einen großen Entwicklungsschub gebracht, das hätte ich so nicht gedacht.

Eine herausragende Eigenschaft Ihres Sohnes ist …
DZ: … seine absolut unverstellte Leidenschaftlichkeit und Ehrlichkeit. Man weiß immer genau, woran man bei ihm ist, er macht niemandem etwas vor, spielt keine komischen Spielchen, er ist immer direkt und geradlinig. das bewundere ich sehr an ihm. Und seine Gelassenheit, seine Sorglosigkeit, sein großes Gottvertrauen beeindrucken mich ebenfalls sehr.

Jonas, eine herausragende Eigenschaft Ihrer Mutter ist …
JZ: Mama ist nett und Freundlichkeit und sie kann über Down-Syndrom schreiben und andere Bücher schreiben. Und sie ist immer nett zu ihrem Mann und nicht streiten mit meinem Papa. Und Mama hat Mut und alles positiv denken. Und Mama kann gut Kinder umgehen mit Down-Syndrom oder ohne.

Mit bald einem Jahr Abstand: Würden Sie an Ihrem Buch noch etwas ändern? 
JZ: Ja, geht noch weiter von verliebt zu sein, aber kommt dann in nächste Buch, ich will weiter schreiben mit Mama.

Doro Zachmann, Jonas Zachmann, Danke für das Interview.

Interview: Tobias Audersch, Lebenshilfe Leipzig
Foto © Doro Zachmann
BAD URACH

"Ich bin ein cooler Kerl"

Tief berührt und beeindruckt von seiner puren Lust am Leben war das Publikum: Der mit Down Syndrom geborene Jonas Zachmann las mit seiner Mutter Doro aus dem Buch "Ich mit ohne Mama".

Autor: KIRSTEN OECHSNER | 05.02.2013   

"Ich bin keine Betroffene, sondern eine Getroffene. Und zwar mitten ins Herz hinein", fasste Doro Zachmann am Ende einer anderthalbstündigen Lesung den Alltag mit seinen Höhen und den in allen Familien durchaus üblichen Tiefen zusammen - den mehr als 100 Besuchern, die zur Veranstaltung des Christusbundes gekommen waren, ging es ebenso. Denn an ihrer Seite auf der Bühne in der Schlossmühle hatte Doro Zachmann einen charmanten 20-Jährigen, der mit viel Witz und Ironie seiner Mutter durchaus mal Contra gab und ihr dennoch das schönste aller Komplimente machte: "Du bist die beste Mutti der Welt."

Jonas und Doro Zachmann verbindet eine ganz besondere Mutter-Sohn-Beziehung, denn der vor einem gesunden Selbstwertgefühl strotzende 20-Jährige kam mit dem Down Syndrom und einem angeborenen Herzfehler auf die Welt: "Ich bin behindert", zitiert er aus seinem gemeinsam mit der Mutter geschriebenen Buch. "Aber das ist nicht schlimm, denn ich bin einzigartig und ich bin erwachsen." Den Alltag mit "Knüller" Jonas hat Autorin Zachmann bereits in zwei Büchern geschildert, nun hat sie eines mit dem Sohn verfasst. "Ich kann schreiben und lesen, ich bin ein cooler Kerl", sagt er über sich. Deshalb realisierte er einen Wunsch zur Überraschung der Mutter im Frühjahr 2010 auch zielstrebig: Pubertät und den steinigen Weg des Erwachsenwerdens, das erste Verliebtsein und die Verwirrung der Gefühle, aber auch seine Wünsche für die Zukunft wollte Jonas Zachmann aus seiner Sicht beschreiben - mal handschriftlich, in den Computer tippend oder der Mutter diktierend: "Ich Chef, Mama Sekretärin", beschreibt Jonas Zachmann die Zusammenarbeit.

Zu erzählen gibt es vieles aus einem vermeintlich normalen Familienalltag mit drei älteren Töchtern und Nesthäkchen Jonas, für Überraschungen ist er immer gut - obs nun die Komplettrasur inklusive Augenbrauen oder die erste selbstständige Bestellung einer Pizza ist: "Ich bin dein tägliches Abenteuer", stellt Jonas mit Blick auf die Mutter fest. Und einige dieser vielen Geschichten stellt das Mutter-Sohn-Gespann in Dialogen vor, das Publikum ist gerührt und bewegt, doch zu keiner Zeit traurig und deprimiert - es wird viel gelacht bei der Lesung. Denn die Familie Zachmann strahlt heitere Zuversicht und Harmonie aus, vor allem Jonas sprüht vor lebensbejahender Freude und genießt sein Leben in vollen Zügen: "Er hat die Gabe, den Menschen ein Lächeln zu entlocken", sagt Doro Zachmann und spricht von seinem "unverwechselbaren und ansteckenden Charme" - auch die Zuhörer können sich ihm nicht entziehen.

Wie allen Eltern fällt es den Zachmanns auch nicht leicht, den Sohn loszulassen in die Selbstständigkeit. Doch Jonas ist ausgezogen vom behüteten Heim in eine betreute Drei-Männer-Wohngemeinschaft, im Augenblick absolviert er ein Praktikum in einer Behindertenwerkstatt als Schreiner - und plötzlich kann er auch alleine pünktlich aufstehen: "Er überrascht uns immer wieder."

Jonas Zachmann hat sich gerade in den vergangenen Jahren mit seiner Situation auseinandergesetzt und ist zu einer Erkenntnis gekommen: "Ich kann nichts dafür, dass ich anders bin", hat er notiert. "Aber Gott sagt mir, dass ich einzigartig bin." Das unterstreicht er bei einem spontanen Tanz und deutlich wird es auch durch die vielen Familienfotos, die bei der Lesung eingespielt werden. "Here comes the sun" intoniert Vater Wolfgang Zachmann dabei ein Mal mit seiner Gitarre, passender hätte er den Titel nicht aussuchen können.

 

Autorenlesung über die alltäglichen Erfahrungen eines Mannes mit Down-Syndrom

Leben mit dem Anderssein

 

Schenklengsfeld. An die 100 Besucher verfolgten am Sonntagvormittag im Schenklengsfelder Tafelhaus Steinhauer die vom Landfrauenverein „Landecker Amt“ organisierte Autorenlesung des Buches „Ich mit ohne Mama“ von Jonas und Doro Zachmann.

Beifall vom Publikum: Sein Gefühl für Takt und Musik bewies Jonas Zachmann (links) während der Autorenlesung in Schenklengsfeld mit einer spontanen Tanzeinlage. Zur Veranstaltung hatte der Landfrauenverein „Landecker Amt“ eingeladen. Foto: roda

Beifall vom Publikum: Sein Gefühl für Takt und Musik bewies Jonas Zachmann (links) während der Autorenlesung in Schenklengsfeld mit einer spontanen Tanzeinlage. Zur Veranstaltung hatte der Landfrauenverein „Landecker Amt“ eingeladen. Foto: roda

Jonas ist inzwischen 20 Jahre alt und wurde mit Down-Syndrom sowie einem schweren Herzfehler geboren. Er wuchs in der Familie mit Vater Wolfgang, Mutter Doro sowie den drei älteren Schwestern Katharina, Eliane und Maren in der Nähe von Karlsruhe auf. Die besonderen Herausforderungen der Betreuung und Erziehung ihres Sohnes veranlassten die Diplom-Sozialpädagogin Doro Zachmann schon sehr früh, ihre Erfahrungen damit aufzuschreiben.

Klopapier per Handy ordern

Aus dieser Notizensammlung entstanden schließlich drei Bücher, wobei Jonas Zachmann im vorgestellten Titel als Co-Autor seine eigenen Sichtweisen mit einbrachte. Dieses Zusammenspiel funktionierte auch bei der Lesung. Während Doro einen Textabschnitt vortrug, ergänzte Jonas mit klarer Stimme seinen Part. Trotz der gesundheitlichen Erschwernisse, sind es doch eher die heiteren Momente, die dem Buch einen roten Faden geben. Daher ist die erste Selbstrasur des sprießenden Bartwuchses mit gleichzeitiger Entfernung der Augenbrauenhaare wohl ebenso der konsequent einfachen Denkweise eines Menschen mit Down-Syndrom zuzuschreiben, wie auch die Anforderung fehlenden Klopapiers über das Handy.

 

Jonas Zachmann ist sich seines Andersseins durch den Geburtsfehler zwar bewusst, empfindet es aber nicht als Leiden. Vielmehr liebt er sein Leben wie es ist und bekennt dies auch mehrfach vor dem Publikum. Er kann Fahrradfahren, treibt Sport und hat sogar Erfahrungen im Verliebtsein.

Weitgehend selbständig geworden, lebt er mittlerweile in einer Wohngemeinschaft in einem Nachbarort. Meistens guter Laune, stimmt es ihn allerdings traurig, dass die Menschen ihn oft nicht so annehmen können, wie er sich selbst fühlt. Für Jonas Zachmann ist es daher Glück, in diese Familie hineingeboren worden zu sein. Sie gibt ihm einen Rahmen, den andere in ähnlicher Situation nicht haben.

Das Buch, aus dem Mutter und Sohn Zachmann am Sonntag in Schenklengsfeld vorlasen, gewährt neben seinen unterhaltsamen Passagen auch eine ganz eigene Betrachtung auf Menschen mit Down-Syndrom. Das Buch zeigt auch, dass für viele Betroffene ein relativ eigenständiges Leben möglich sein kann. (ha)

 

Auch ein Leben mit Down-Syndrom ist lebenswert

ELLWANGEN / jam Ganz egal, mit wie viel Chromosomen ein Mensch auf die Welt kommt, jedes Leben ist lebenswert. Diese Botschaft sendeten Jonas und Doro Zachmann den mehr als 50 Zuhörern in der Bücherkiste in Ellwangen. Alle Plätze in der kleinen Buchhandlung in der Schillerstraße waren besetzt, als Mutter und Sohn abwechselnd aus ihrem gemeinsamen Werk: „Ich mit ohne Mama“ vorlasen. Manche waren eigens aus Schorndorf und Schwäbisch-Gmünd angereist.

Jonas ist mit Down-Syndrom und einem schweren Herzfehler auf die Welt gekommen. Er ist 19 Jahre alt und weiß: „Bin große Kerl worden. Bin äwaxen!“ Wie das mit dem Erwachsenwerden funktioniert und welche Herausforderungen es zu bewältigen gibt, haben er und seine Mutter Doro niedergeschrieben. Die Veranstaltung rundeten beide mit sehr persönlichen Bildern aus dem gemeinsamen Familien-Alltag ab.

Jonas meistert die Hürden des Alltags auf unverwechselbar originelle Weise. Er strahlt Lebensfreude und Charme aus. Per Hand, am Computer und sogar durch Diktat hat er seine Sicht auf die Welt eingebracht. Das Buch erzählt von Höhenflügen und Alltagsherausforderungen, von Freunden, Weggefährten und der ersten Liebe, von Wunschträumen und Zukunftsplänen. Es beschreibt aber auch den manchmal schmerzhaften Weg, den man gehen muss, um sich selbst anzunehmen.

Die Lesung war mal fröhlich heiter, mal tief bewegend. Jonas las seine Passagen im Buch selbstbewusst und laut vor. Sein persönliches Resümee: „Ist ok bei mir.“ Zum Schreiben ist die Sozialpädagogin Doro Zachmann durch ihren Sohn Jonas gekommen. Sie hat bereits „Mit der Stimme meines Herzens“ und „Bin Knüller“ veröffentlicht.

Ich mit ohne Mama“ hat 336 Seiten, ist bei SCM Hänssler erschienen und kostet 16,95 Euro. Weitere Infos auf auf www.scm-haenssler.de.

(Erschienen: 05.12.2012 18:00)

 

Presse Gießen.odt
Open Office Writer 22.1 KB

Volle Lebenslust in der Lebenshilfe Sinsheim

Lesung

Mehr als 100 Zuhörer konnte Herr Bauer, der Geschäftsführer der Sinsheimer Lebenshilfe, am 21. März 2013, dem Welt-Down-Syndrom-Tag, in den Räumen der Kraichgau-Werkstatt zu einer Autorenlesung der besonderen Art begrüßen. 

Die Christliche Bücherstube hatte im Rahmen ihres 25-jährigen Jubiläums gemeinsam mit der Lebenshilfe zu diesem Abend mit Jonas und Doro Zachmann eingeladen.

Der 20-jährige junge Mann, der mit Down-Syndrom und schwerem Herzfehler geboren wurde, ist einer größeren Leserschar schon durch Bücher seiner Mutter bekannt.

Als er erwachsen wurde, träumte er davon, selbst ein Buch zu schreiben, was er, mit Hilfe seiner Mutter in die Tat umsetzte. So entstand das Buch ICH MIT OHNE MAMA, ein wunderbares Buch über die Hürden und Erfolge beim Erwachsenwerden eines Kindes mit Behinderung und eine Hilfe und Ermutigung für alle, die mit behinderten Menschen zu tun haben.

Augenzwinkernd berichteten beide Autoren im Wechsel aus ihrem turbulenten Familienalltag.

Jonas Zachmann hat sich gerade in den vergangenen Jahren bewusst mit seiner Situation auseinandergesetzt. Mit seiner unbändigen Lebenslust, viel Charme und Witz brachte er das Publikum immer wieder zum Lachen und vermittelte glaubhaft: "Ich kann nichts dafür, dass ich anders bin, aber Gott sagt mir, dass ich einzigartig bin." Das unterstrich er bei einem spontanen Tanz - und deutlich wurde es auch durch die vielen eingespielten Familienfotos.

Musikalisch umrahmte Johannes Krieg mit seiner Flöte in Begleitung seiner Lehrerin den Abend. Auf humorvolle Art und Weise kündigte er seine Beiträge an und animierte das Publikum sogar zum Mitsingen.

"Ich bin keine Betroffene, sondern eine Getroffene“, stellt Doro Zachmann zu Beginn der Lesung klar, „und zwar mitten ins Herz hinein“.
Ebenfalls im Herzen getroffen und reich beschenkt fühlten sich die Zuhörer am Ende des Abends .
Wie arm wäre unsere Welt ohne die unbekümmerte und unverstellte Freude, die vor allem Menschen mit Down-Syndrom empfinden und ausstrahlen!

LEBEN MIT DOWN-SYNDROM

Betroffener schreibt über das Down-Syndrom

14.11.2012 | 18:23 Uhr


Doro und Jonas Zachmann sind zurzeit viel unterwegs, um „Ich mit ohne Mama" vorzustellen.Foto: Jennifer Katz

Iserlohn.  „Ich mit ohne Mama“ heißt das gemeinsame Werk von Doro Zachmann mit ihrem Sohn Jonas. Das Besondere: Der 20-Jährige hat das Down-Syndrom.



Ganz entspannt sitzt Jonas Zachmann an einem Tisch in der Ecke des Saales, während seine Mutter Doro und Frank Hofstadt von der Alpha-Buchhandlung mit Kabeln, Mikros, Beamer und sonstigen technischen Details beschäftigt sind. Denn gleich werden die beiden Zachmanns aus ihrem ersten gemeinsamen Buch „Ich mit ohne Mama“ lesen. Dass Mutter und Sohn zusammen schreiben, ist noch nichts Ungewöhnliches. Doch wenn ein vom Down-Syndrom Betroffener zur Feder greift, ist das nicht alltäglich.

Vor dem Auftritt im Saal der Netzwerk Diakonie an der Bodelschwinghstraße macht Jonas klar, dass es für ihn jedoch ganz selbstverständlich ist, jetzt vor Publikum aus dem Buch zu lesen. Schon die Entstehung von „Ich mit ohne Mama“ ist erzählenswert: Doro Zachmann, Jahrgang 1967, hatte bereits zwei Bücher über das Leben mit Jonas geschrieben. Der heute 20-Jährige erlebte immer wieder, dass die Di­plom-Sozialpädagogin ihre Koffer packte und zu Lese-Reisen aufbrach. „Will mit“, erklärte Jonas immer wieder. Zur Antwort bekam er: „Nur derjenige, der ein Buch geschrieben hat, geht auf Lese-Reise.“ Jonas wusste von da an: „Dann schreibe ich eben auch ein Buch.“ Die Arbeit daran, so erklärt er, sei zwar mitunter anstrengend gewesen, habe ihm aber auch riesigen Spaß bereitet. „Mit der Hand“ habe er geschrieben, seine Mutter am Computer. Mitunter hat der Sohn ihr seine Beiträge auch diktiert.

Es geht um Höhen und Tiefen“, beschreibt Jonas den Inhalt seines Werkes. Denn schließlich sei er nun „äwaxen“. Und dazu gehört bei ihm wie bei jedem Jugendlichen auch das Verliebtsein, das manchmal „schwer“ sei. Tiefpunkte in seinem bisherigen Leben seien Krankenhaus-Aufenthalte gewesen, sagt der frisch gebackene Autor. Zum einen musste er sich wegen seines angeborenen, schweren Herzfehlers operieren lassen, zum anderen hatte er einen Arbeitsunfall, bei dem seine rechte Hand in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Noch nicht im Buch verarbeitet ist Jonas’ Auszug aus der elterlichen Wohnung, denn der konnte erst nach der Veröffentlichung realisiert werden. Doro Zachmann erzählt: „Mit 18 Jahren hat Jonas zum ersten Mal davon gesprochen, außerdem wollte er nicht als Letzter ausziehen.“ Er ist das jüngste von vier Kindern, lebt seit kurzem in einer betreuten Wohngemeinschaft mit zwei Männern zusammen. „Ist cool“, beschreibt Jonas das Leben außerhalb des Elternhauses, auch wenn er seine Mutter „ganz mini vermisst“. Drei Kilometer trennen den Down-Syndrom-Betroffenen nun von den Eltern, deren drei Töchter auch in eigene Wohnungen gezogen sind. „Das war erstmal ungewohnt, aber wir genießen es auch“, so Doro Zachmann, die ihren einzigen Sohn aber immer noch regelmäßig zu Arztterminen begleitet oder zum Tanzkurs fährt.

Neben Tanzen gehören auch das Singen in einer frisch gegründeten Band, Gitarre spielen, Basketball, Computerspiele und Filme schauen zu Jonas’ Hobbys. „Und Lesen“, ergänzt der 20-Jährige.

Nach seinem Autorendebüt weiß er: „Würde gerne weiterschreiben.“ Dann könnte er davon berichten, wie er sich bei seinen ersten öffentlichen Auftritten gefühlt hat. Star-Allüren sind bei ihm nicht zu befürchten, auch wenn er schon Autogramme geben und Bücher signieren musste. „Ich bleibe, wie ich bin!“ Das sagt Jonas wieder einmal ebenso charmant wie überzeugend.

Dem können sich die Besucher der Lesung, die in Kooperation mit der Lebenshilfe Mark-Ruhr angeboten wird, auch nicht entziehen. Immer mehr strömen in den Saal. Darunter auch Lisa Oberwalleney und Anna-Carina Nowitzki, die Blockflöte in der integrativen Gruppe „Grenzenlos“ spielen. Unter der Leitung von Friederike Kreft von Zadow musizieren sie zur Einstimmung und zum Ausklang des Abends. Und zeigen gemeinsam mit Jonas, dass ein Leben mit Behinderung nicht am Rande der Gesellschaft stattfinden muss.

Jennifer Katz

 

Mitten ins Herz hinein getroffen

Von Martina Hoga

  •  

  •  

 

 

Auf unverwechselbare Weise die Alltagshürden gemeistert: Buchautorin Doro Zachmann und ihr Sohn Jonas lasen in der Lebenshilfe. Foto: Herbert Draheim

 

LEBENSHILFE Jonas überrascht seine Mutter mit dem Wunsch, ein Buch zu schreiben. Denn Jonas möchte seine Mutter auf einer Lesereise begleiten und im Hotel übernachten. So reifte die Idee in Doro Zachmann, gemeinsam mit ihrem Sohn Jonas, über den sie bereits zwei Bücher verfasst hatte, ein Buch zu schreiben.

Jonas hat Down-Syndrom und meistert die Hürden des Alltags auf unverwechselbare Weise. "Ich mit ohne Mama!" heißt das berührende Buch von Jonas und Doro Zachmann, das Mutter und Sohn im Haus der Lebenshilfe, Schillerstraße, vorstellten.

Auf Anregung von Dorothea König, Filialleiterin der Alpha-Buchhandlung, haben die Offenen Hilfen der Lebenshilfe zur Lesung in ihren Räumen eingeladen. Auch Schriftstellerin Doro Zachmann freute sich über die Kombination von christlicher Buchhandlung und Lebenshilfe.

Die Karlsruherin ist an ihrem Heimatort selbst Mitglied der dortigen Lebenshilfe. Abwechselnd lasen Mutter und Sohn aus den bisher erschienenen Büchern über das Leben mit Jonas: "Mit der Stimme des Herzens", "Bin Knüller!" und die gemeinsam verfasste Neuerscheinung. Eine Diaschau mit Bildern aus der Kindheit des heute 20-Jährigen und Fotografien seiner handschriftlichen Manuskripte gab noch einen tieferen Einblick in das Leben von Jonas und seiner Familie.

In der Pause hatte der junge Mann eine ganz besondere überraschung für die etwa 100 erschienenen Zuhörer bereit: Er führte eine eigene Hip-Hop-Choreographie vor! Schreiben soll aber das Hobby des jungen Mannes bleiben. Er ist wie seine drei älteren Schwestern inzwischen von zu Hause ausgezogen und lebt im ambulant betreuten Wohnen.

Computer, Filme und Basketball sind seine weitere Hobbys. Doro Zachmann stellt als Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom klar, dass sie sich nicht als "Betroffene" sieht. "Ich bin eine Getroffene, uns zwar mitten ins Herz hinein", sagt sie unter dem heftigen Beifall der Zuhörer.

Seine Kreativität und seinen unverwechselbaren Charme stellte Jonas Zachmann in vielen Anekdoten aus seinem Leben unter Beweis. Auch den neuen Beruf seiner Mutter, einer gelernten Sozialpädagogin, hat er letztendlich initiiert. "Ich bin durch Jonas zum Schreiben gekommen", erklärte Doro Zachmann.

 

Einblicke in Familienalltag mit Down-Syndrom

19.11.2012 - GIESSEN

19-jähriger Jonas Zachmann und seine Mutter Doro nehmen in ihrem gemeinsamen Buch „Ich mit ohne Mama“ verschiedene Perspektiven ein

(phr). „Ich mit ohne Mama“ ist der Titel des neuen Buches von Doro und Jonas Zachmann, aus denen die beiden in der Stadtmission in Gießen lasen. Den Wunsch, gemeinsam ein Buch zu schreiben, reifte schon seit Längerem in Jonas Zachmann, der vor 19 Jahren mit dem Down-Syndrom geboren wurde. Doch es dauerte einige Zeit, bis er seine Mutter, Sozialpädagogin und Autorin zweier anderer Bücher, überredet hatte, es in die Tat umzusetzen.

Der junge Mann brachte dann seine Begründung direkt zu Beginn der dialogischen Lesung auf den Punkt, indem er aus den ersten Zeilen des Buchs vorlas: „Ich kann schreiben und lesen“, woraus dann seine Motivation folgte: „Berühmt werden mit Mama“. Das in dem Buch alles andere als nur der Wunsch nach Popularität steckt, wurde im Laufe des Abends schnell deutlich. So beinhaltet es hauptsächlich Erlebnisse aus dem Leben der fünfköpfigen Familie Zachmann, geschildert aus zwei verschiedenen Perspektiven, die verschiedener gar nicht sein könnten. Damit bietet es nicht nur einen Einblick in den Alltag des Zusammenlebens mit einem Menschen mit Behinderung aus Sicht einer Mutter, sondern auch darüber, wie Jonas, der wie viele seine vermeintliche Andersheit von klein auf von seiner Umwelt durch verunsicherte Blicke oder andere Reaktionen seiner Mitmenschen zu spüren bekommen hat, die Welt sieht und sich in ihr positioniert.

Im Vordergrund stehen dabei lustige Anekdoten wie etwa die, in der die Mutter den pubertierenden Sohn darauf hinweist, sich doch mal wieder zu rasieren. Nachdem Jonas knapp, aber deutlich erwidert: „Du kein Mann, du keine Ahnung“, ist er schließlich doch einsichtig und begibt sich erstmals ohne die Hilfe seines Vaters ins Badezimmer, um sich seiner Barthaare zu entledigen. Doch kurz darauf ist der Schock groß. Denn Jonas stellte sich der Herausforderung zwar erfolgreich, war dabei aber etwas zu gründlich. So hat er gleich auch die Augenbrauen und Teile seiner Wimpern mit abrasiert.

Insgesamt wechseln sich lebhafte Geschichten, in denen etwa der auf der Toilette sitzende Sohn per Handy bei seiner Mutter neues Klopapier bestellt, mit philosophischeren Abschnitten ab. So enthalten die oft handgeschriebenen tagebuchartigen Beschreibungen von Jonas stets prägnante Reflexionen über sein Leben und nicht zuletzt über sich selbst. An einer Stelle schreibt er darüber, dass seine Gefühle von anderen oft nicht verstanden werden und dass er sich durchaus darüber bewusst ist, anders als die anderen zu sein.

Doch dass er oft gar nicht so anders ist, zeigen die zentralen Themen des Buches, in dem es vor allem über relevante Fragen des Erwachsenenwerdens geht, die eigentlich alle 19-Jährigen bewegt. Denn neben der ersten Liebe und Beziehungen geht es auch um Zukunftsfragen des aus Karlsruhe stammenden Autors, der erst vor Kurzem von zu Hause ausgezogen ist, um in einer betreuten 3er-WG zu wohnen. Auch seine Schwächen und Stärken, über die er in einem kurzen Abschnitt schreibt, unterscheiden sich kaum von anderen Menschen. So kann er zwar „nicht gut früh aufstehen“, aber dafür umso besser „Computer spielen“ und „chillen“. Damit enthält „Ich mit ohne Mama“ einen Subtext, der nicht zu unterschätzen ist.

So wurde im Vorfeld der von der Alpha-Buchhandlung organisierten Lesung noch darauf hingewiesen, was es mit dem kleinen Wollfaden auf der Eintrittskarte auf sich hat. Als Motto des Abends bedeutete er nichts anderes als: „Wir sind gewollt“. Denn dass Behinderungen auch heute noch als etwas Negatives stigmatisiert werden, wird nicht zuletzt durch einen bald auf den Markt kommenden Bluttest deutlich, mit dem sich bereits in den ersten Schwangerschaftswochen die Diagnose „Trisomie 21“ risikofrei anzeigen lässt. Schon der Soziologe Theodor W. Adorno wusste, dass man den „besseren Zustand als den denken muss, in dem man ohne Angst verschieden sein kann.“ Dass das Verschiedensein vor allem bereichernd ist, zeigt das genauso humorvolle wie nachdenkliche Buch auf eindringliche Weise.

 

 

 

 

 

Pressetext vom Verlag

 

19-Jähriger mit Down-Syndrom wird Autor

Doro und Jonas Zachmann: Ich mit ohne Mama

In wenigen Wochen wird in Deutschland ein Bluttest auf den Markt kommen, der bereits in den ersten Schwangerschaftswochen die Diagnose „Trisomie 21“ risikofrei anzeigen kann. Die Möglichkeiten und Auswirkungen dieses Tests werden zurzeit äußerst kontrovers diskutiert.

 

Aber wie sieht ein Leben mit Down-Syndrom überhaupt aus?

Wer könnte das besser beschreiben als jemand, der selbst mit dieser Behinderung lebt …

 

Jonas Zachmann ist mit Down-Syndrom und einem schweren Herzfehler auf die Welt gekommen. Das hält ihn aber nicht davon ab, die Hürden des Alltags auf unverwechselbar originelle Weise zu meistern. Von seiner Lebensfreude und seinem Charme profitiert nicht nur seine Familie. Es gelingt ihm ohne Probleme, die Herzen der Menschen um sich herum zu gewinnen.

 

Heute ist Jonas 19 Jahre alt und er weiß: „Bin große Kerl worden. Bin äwaxen!“. Wie das mit dem Erwachsenwerden funktioniert und welche Herausforderungen es zu bewältigen gibt, beschreibt er im Buch „Ich mit ohne Mama“. Und er schreibt tatsächlich selbst!

Gemeinsam mit seiner Mutter Doro hat er den Traum vom eigenen Buch in die Tat umgesetzt. Per Hand, am Computer und sogar durch Diktat hat Jonas seine Sicht auf die Welt eingebracht. Mutter und Sohn erzählen gemeinsam von ihrem ganz normalen und doch besonderen Leben. Es ist ein Buch geworden, das von Höhenflügen und Alltagsherausforderungen erzählt, von Freunden, Weggefährten und der ersten Liebe, von Wunschträumen und Zukunftsplänen. Es beschreibt aber auch den manchmal schmerzhaften Weg, den man gehen muss, um sich selbst anzunehmen. „Ich bin ein Daun-Zitron“, sagt Jonas heute ohne Vorbehalt. Er weiß, dass er etwas Besonderes ist.

 

Ich mit ohne Mama“ sorgt dafür, dass man als Leser feuchte Augen bekommt – vor Lachen und vor Rührung gleichermaßen. Einer Botschaft wird man sich nicht entziehen können: Das Leben ist absolut lebenswert – egal mit wie viel Chromosomen ein Mensch auf die Welt kommt.

 

 

Jonas Zachmann wurde 1992 als viertes Kind von Doro und Wolfgang Zachmann geboren. Durch seinen natürlichen Charme als „Knüller“ hat er sich die Herzen vieler Leser erobert.

 

Doro Zachmann, Jahrgang 1967, ist diplomierte Sozialpädagogin. Die beliebte Autorin erzählte im Vorgängerbuch „Bin Knüller“ vom Leben mit Jonas. Sie ist verheiratet, hat drei weitere erwachsene Kinder und lebt bei Karlsruhe.

 

 

Zachmann, Doro / Zachmann, Jonas

Ich mit ohne Mama

Gebunden, 336 S. ISBN: 978-3-7751-5372-0

D 16,95 / €A 17,50 / sFr 25,50*

 

Eine druckfähige Coverdatei (300dpi) finden Sie als Download auf unserer Homepage: www.scm-haenssler.de

 

 

Pressekontakt:

Annegret Prause

Telefon: 02302 93093-743, Telefax: 02302 93093-801

Email: prause@scm-haenssler.de

 

SCM Hänssler im SCM-Verlag GmbH & Co. KG · 71088 Holzgerlingen

Internet: www.scm-haenssler.de

25.04.2012

Buchvorstellung

Ich mit ohne Mama: Knüller Jonas wird erwachsen

Kann ein junger Mann mit Down-Syndrom ein Buch über sich und seinen Weg durch die Pubertät schreiben? Doro und Jonas Zachmann zeigen gemeinsam, dass es geht.

Doro Zachmann und ihr Sohn Jonas sind keine Unbekannten: 1999 lässt die gebürtige Aalenerin ihre Leser erstmalig am Leben mit ihrem Sohn teilhaben, der mit Down-Syndrom zur Welt gekommen ist1. Elf Jahre später beschreibt sie in „Bin Knüller“ wie aus dem kleinen Jonas ein Teenager wird, der eine gefährliche Herzoperation überstehen muss. Jetzt legt die Autorin nach und schreibt über Jonas Weg durch die Pubertät hin zum jungen Mann. Die Idee zum Buch kommt dieses Mal allerdings von Jonas: „Schreibe ich näxe Buch, Mama! Kei Pobläm!“, meint er eines Tages und lässt damit nicht locker.

Und so ist Ich mit ohne Mama. Knüller Jonas wird erwachsen zum einen ein authentischer Einblick in Frau Zachmanns Erfahrungen mit ihrem fröhlichen und temperamentvollen aber nicht immer unkomplizierten Heranwachsenden. Zum anderen steuert Jonas eigene Texte bei, die entweder hangeschrieben eingescannt oder leicht überarbeitet in Druckform übernommen wurden. 

Siege und Niederlagen

Zeitlich spielt das Buch zwischen Jonas' 15. und 18. Geburtstag und spiegelt all die Kämpfe wieder, die ein Teenager hat: Selbstständig werden, Liebeskummer, Schulabschluss und Träume für die Zukunft. Nur dass der Prozess bei Jonas aufgrund seines Down-Syndroms ein bisschen komplizierter ist. Für Doro Zachmann und ihren Mann eine herausfordernde Phase, in der sie aber immer wieder auch etwas zum Lachen und Feiern haben.

Als Jonas zum Beispiel lernt, morgens eigenständig aufzustehen und das Haus zu verlassen, ist das für Jonas und seine Eltern ein kleiner Sieg, der für beide Seiten mehr Selbstständigkeit bedeutet. Aber nicht immer geht alles glatt: Als Jonas mit 16 Jahren ein Praktikum in einem Supermarkt macht, setzt er sich am vorletzten Tag bockend in den Laden und will partout keine Kartons mehr zerreißen. Schließlich schickt der Chef ihn nach Hause und beendet das Praktikum vorzeitig. Für Jonas eine Niederlage, über die er sich selbst ärgert und die ein wenig symptomatisch ist für seine Kämpfe: Wenn er einmal eine Sicht auf die Dinge hat, ist es schwer, ihn vom Gegenteil zu überzeugen.

Tränen lachen, Tränen weinen

Als Leser freut man sich mit Zachmanns über Jonas Fortschritte und lacht herzlich über die Originalität des jungen Mannes, der darüber hinaus ein Liebhaber guten und reichhaltigen Essens ist. Es ist schon beeindruckend, was der Kerl während eines einzigen Abendessens verputzt (in Abwesenheit und zum Entsetzen der Eltern): Drei Brezeln, eine Flasche Kaba, einen großen Becher Naturjogurt, fünf Eier mit Käse und Schmand, eine Packung Tortellini und eine Packung (tiefgefrorenen) Spinat.

Umgekehrt geht es zu Herzen, wenn  man liest, wie Jonas für eine Zeitlang mit sich selbst und seiner Behinderung überhaupt nicht mehr klar kommt. In dieser Phase muss die ganze Familie viel aushalten: „Ich sitze im Wohnzimmer. Jonas (17) setzt sich zu mir aufs Sofa und platzt sofort weinend mit dem heraus, was ihn beschäftigt: ‚Wünsche nich mehr behindert zu werden, Mama! Endlich aufhörn damit!‘ Er sieht mich bittend und flehend an, mein Herz zerreißt fast. Ich schließ meinen fast erwachsenen Sohn in die Arme und halte seinen schluchzenden Körper fest. Mir selbst laufen auch die Tränen. ‚Mama, mach weg, bitte!‘“ Gut, dass Jonas nach einem längeren Prozess dann wieder sagen kann: „Ja, ich bin Daun-Zitron, aba ist okay bei mir!“

Fazit

Doro und Jonas Zachmann geben in Ich mit ohne Mama. Knüller Jonas wird erwachsen einen sehr ehrlichen Einblick in ihr Leben rund um Jonas Behinderung. Gerade Leser, die sonst kaum Berührungspunkte mit Menschen mit Down-Syndrom haben, profitieren deswegen ungemein von dem Buch: Sie bekommen eine Ahnung, wie lebensfroh und begabt diese trotz oder gerade wegen ihrer Einschränkungen sind. Das bringt ins Nachdenken.

Darüber hinaus ist Frau Zachmanns Schreibstil ein Lesevergnügen für sich. Hier verbinden sich Humor und Nachdenkliches auf ungezwungene Art und Weise. In einer Gesellschaft, in der Menschen mit Behinderung immer weniger akzeptiert und angenommen sind, ein notwendiges und heilsames Buch. Danke Frau Zachmann, danke Jonas, dass Ihr es gemeinsam geschrieben habt!

 

Hanna Willhelm

26.04.2012

Interview mit Doro Zachmann

"Das beste Leben überhaupt"

D. Zachmann würde ohne ihren behinderten Sohn viel fehlen. Sie sieht es als gesellschaftlichen Rückschritt, wenn solches Leben "aussortiert" wird. Doro Zachmann ist eine umtriebige Frau: Die gelernte Sozialpädagogin hat in den vergangene Jahren ihre sechsköpfige Familie gemanagt, macht mit ihrem Mann Musik, spielt Theater und schreibt Bücher und Gedichtbände. Über ihr Leben mit ihrem Sohn Jonas ist jetzt bereits der dritte Titel erschienen: In "Ich mit ohne Mama"  beschreiben die beiden, wie es war, als Jonas erwachsen wurde. Im Interview mit ERF Online gibt Frau Zachmann einen Einblick in diese Zeit und über ihre Gedanken zum gesellschaftlichen Umgang mit Behinderungen.

ERF Online: Frau Zachmann, bei Ihrem neuen Buch Ich mit ohne Mama war Jonas Co-Autor. War es schwierig, Ihren Sohn mitschreiben zu lassen?

Frau Zachmann: Nein, weil es andersherum lief. Jonas hat mich als Co-Autor gewonnen. Er wollte dieses Buch schreiben. Insofern war er Hauptinitiator und hat auch bestimmt, was er erzählen möchte. Der Prozess des Schreibens selbst war allerdings durchwachsen (lacht). Wir hatten uns einen Nachmittag in der Woche dafür freigehalten und manchmal hatte mein Sohn nach zehn Minuten schon keine Lust mehr. Da musste ich dann am Schluss schauen, wie ich den Zeitplan mit dem Verlag einhalte.

ERF Online: Ist Jonas mit dem Ergebnis zufrieden?

Frau Zachmann: Ja, er freut sich sehr an dem Buch, vor allem auch an den schönen Rückmeldungen, die wir bekommen. Regelrechte Fanpost! Die Lesungen, die jetzt angelaufen sind, machen ihm viel Spaß. Darüber bin ich sehr froh, weil ich nicht wusste, wie das mit ihm wird: Ob er sich das nicht völlig falsch vorgestellt hat, dann enttäuscht ist und nach zwei Malen keine Lust mehr hat. Aber es klappt bestens und das Publikum ist begeistert von ihm. Und ich erst!

Angst um den sprach-losen Sohn

ERF Online: Der Untertitel des Buches ist Knüller Jonas wird erwachsen. Sie haben vor Jonas drei Töchter durch die Pubertät gebracht. War das bei ihm anders als bei den Mädchen?

Frau Zachmann: Definitiv. Zum einen fing die Pubertät früher an und ging gefühlt etwa doppelt so lang. Zum anderen kam zu den üblichen Themen bei Jonas das "Anders sein" durch seine Behinderung dazu. Oft war es nicht möglich, mit ihm über Probleme zu reden. Sprache ist nicht sein Ventil, wie er Sachen verarbeitet. Er hat sich auch eine Zeit lang zurückgezogen, sich in seinem Zimmer regelrecht eingeigelt. Das war eine schwierige Zeit.

ERF Online: Wie haben Sie das ausgehalten?

Frau Zachmann: Ich habe jeden Tag für sich genommen. Es gab manchmal Tage, an denen ich befürchtet habe, dass er in eine Depression abrutscht  - zumal ich einige Beispiele kenne, wo das tatsächlich so passiert ist. Das hat mir Angst gemacht. Es war mein tägliches Gebet, dass Gott ihn im Blick behält und ihm immer wieder einen Lichtstrahl in sein dunkles Tal schickt. Außerdem hatte ich Rückhalt durch meinen Mann, unsere Töchter und gute Freunde. Gott sei Dank ist Jonas aus dieser Phase wieder rausgekommen und hat zu seiner Fröhlichkeit zurückgefunden. Das ist so wunderbar!

ERF Online: Im Buch beschreiben Sie auch Jonas‘ Wunsch allein zu wohnen oder eine Partnerin zu haben. Glauben Sie, dass diese Träume wahr werden können?

Frau Zachmann: Ich habe schon bei früheren Gelegenheiten gedacht: „Meine Güte, was hat der Kerl für unrealistische Vorstellungen!“, und musste dann verblüfft feststellen, dass Dinge tatsächlich so gekommen sind, wie er es wollte. Weil Jonas ganz viel investiert hat, um diese Ziele zu erreichen. Inzwischen glaube ich, dass seine Träume wahr werden können. Wir müssen diesen Weg – zum Beispiel mit dem Wohnen - einfach Schritt für Schritt gehen. Demnächst haben wir zwei Termine, wo Jonas sich Wohngemeinschaften anschauen kann: In einer wohnen bereits zwei Männer mit Behinderung, in die andere WG sollen noch Studenten mit einziehen. Grundsätzlich ist (fast) nichts unmöglich. Jonas hat schon so oft gezeigt: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

ERF Online: Und das andere große Thema: Sein Wunsch nach einer Partnerin? 

Frau Zachmann: Er hat nach wie vor eine große Liebe und an der hält er unglaublich fest - das beschreiben wir auch im Buch. Es ist nicht in Sicht, dass daraus etwas wird und trotzdem bleibt er da treu und hält an diesem Mädchen fest. Manchmal ist das sehr traurig, weil er dadurch immer wieder mit diesem Abgelehnt-Sein konfrontiert ist. Ich wünsche mir, dass er eines Tages, vielleicht durch die Arbeit, eine Frau kennenlernt, die auf der gleichen Wellenlänge mit ihm ist und seine Liebe erwidert.

ERF Online: Kennen Sie Beispiele von Beziehungen, wo beide Partner das Down-Syndrom haben und wo das gelingt?

Frau Zachmann: Ja. Ich kenne zwei Pärchen, die bestimmt schon zwei, drei Jahre zusammen sind. Beide wohnen noch zu Hause, sehen sich aber recht häufig. Und dann kenne ich „Fälle“ aus der Presse. Es gibt solche Partnerschaften durchaus, auch wenn das nicht sehr häufig der Fall ist.

„Da kann noch viel auf uns zukommen.“

ERF Online: Jonas ist schon recht selbstständig. Sie schildern im Buch einen behinderten Mann, bei dem das ähnlich war, der durch eine Depression aber wieder völlig von seiner Familie abhängig wurde. Was ist, wenn das mit Jonas geschieht?

Frau Zachmann: Das kann natürlich sein. Aber wissen Sie, dann denke ich: Alles kann sein. Ich weiß nicht, ob eine meiner Töchter morgen einen Autounfall hat und dann im Rollstuhl sitzt oder ich selbst Brustkrebs bekomme. Jonas hat einen schweren Herzfehler und ist aufgrund seiner Schlafapnoen höchst gefährdet für einen Schlaganfall, da kann noch viel auf uns zukommen. Deswegen lebe ich ganz bewusst jeden Tag aus Gottes Hand. Wir tun unser Bestes, soweit es möglich ist. Aber darüber hinaus lebe ich voll in dem Vertrauen, dass wir, was auch immer kommt, aus Gottes Hand nehmen können und er uns dann auch entsprechend die Kraft schenkt, damit umzugehen.

ERF Online: Das sagt sich so leicht.

Frau Zachmann: Ja, stimmt. Aber ich erlebe es bisher auch so. Wenn ich an den Punkt komme, an dem mir meine Ohnmacht bewusst wird, dann erlebe ich zugleich auch diesen inneren Frieden. Und ich habe im Umkehrschluss schon so oft erlebt, wie Gott eingegriffen hat, bevor ich überhaupt darum gebeten hatte, bzw. dass Gott mich auch in schweren Zeiten trägt.

ERF Online: Seit einiger Zeit gibt es einen Bluttest, mit dem man in der zehnten Woche einer Schwangerschaft feststellen kann, ob ein Kind Down-Syndrom hat. Angenommen, eine werdende Mutter fragt Sie, ob sie diesen Test machen soll – was antworten Sie?

Frau Zachmann: Das ist derzeit eine Lieblingsfrage bei Interviews. Ich finde sie schwer zu beantworten, weil es eine sehr persönliche Frage ist. Wenn frau diesen Test macht, dann muss sie sich vorher überlegen, warum und wozu und welche Konsequenzen das Ergebnis für sie hat. Wenn sie sich diese Fragen vorher nicht gestellt hat - warum sollte sie dann den Test machen?

Ich persönlich könnte mir die Durchführung eines solchen Testes nicht vorstellen. Ich finde auch nicht, dass er ein Fortschritt ist, den die Wissenschaft errungen hat. Er ist meiner Meinung nach ein Rückschritt unserer Gesellschaft. Wir haben als Menschen nicht das Recht uns auszusuchen, welches Leben lebenswert ist und welches nicht. Wo wollen Sie da die Grenze ziehen?

Wenn Sie meinen Sohn fragen würden, ob er ein Recht hat, auf dieser Welt zu sein - er würde Ihnen zu 250% mit Jaaaaa antworten und vermutlich sagen, dass er das beste Leben überhaupt hat. Mir selbst würde etwas sehr Bedeutendes in meinem Leben fehlen. Ich könnte es mir gar nicht ausmalen, wie mein Leben ohne Jonas wäre. Völlig unvorstellbar, da wäre ein großes Loch!

Zur Diagnose gibt es die Visitenkarte der Abtreibungsklinik

ERF Online: Wird sich der Konflikt zwischen Gruppierungen, die sich bewusst für bzw. gegen behindertes Leben einsetzen, zuspitzen?

Frau Zachmann: Das kann sein. Wobei es schon immer beide Seiten gab. Ich finde diese richterliche Haltung, vorgeburtlich „auszumerzen“, wenn etwas nicht so ist, wie es sein sollte, einfach nicht richtig für uns Menschen. Stellen Sie sich vor, Ihr gesunder Sohn erkrankt plötzlich an Leukämie oder bekommt eine Hirnhautentzündung mit lebenslänglichem Gehirnschaden. Dann gehen Sie auch nicht im Krankenhaus zum Arzt und reklamieren "Ich habe dieses Kind bestellt und gewünscht, aber ich wollte ein gesundes. So möchte ich es nicht. Ich gebe es zurück." Das ist ein sehr plumper Vergleich, ich weiß. Aber der Gedanke "Ich suche mir aus, wie mein Kind zu sein hat und wie es sich entwickeln soll“ – der funktioniert einfach nicht. 

Ich finde es auch furchtbar, dass Frauen in der Schwangerschaft diese schwerwiegende Entscheidung unter so hohem Druck und in Zeitnot treffen müssen. Das ist ein Ausnahmezustand, du hast noch gar keine wirkliche Beziehung zu diesem Kind. Du fühlst nur dieses neue Leben in dir, das bei einem behinderten Kind genauso wie bei einem nichtbehinderten strampelt. Mir hätte es Angst gemacht, hätte ich vor Jonas‘ Geburt gewusst, dass ich ein Kind mit Down-Syndrom bekomme. Ich hätte mir irgendetwas Schreckliches vorgestellt, womit ich nie umgehen kann. Ich hätte mir aber definitiv nie meinen Jonas vorgestellt, nicht die Liebe, die ich zu ihm habe oder dass er sich so toll entwickelt.

Ich bekomme unglaublich viel Leserpost und viele schreiben, dass sie die Diagnose Down-Syndrom bekommen haben und im selben Atemzug ein Kärtchen überreicht von einer Klinik zur Abtreibung. D.h. die ärztliche Beratung geht inzwischen wohl schon zu 80% dahin, dass dieses Leben möglichst im Keim erstickt werden soll. Das macht mich entsetzlich traurig.

ERF Online: Haben Sie eine Idee, wie man das ändern könnte?

Frau Zachmann: Ja, mit der uralten Idee, die schon immer hinter dem Inklusiongedanken steckt: Dass man Menschen mit und ohne Behinderung so normal wie möglich miteinander aufwachsen lässt. Denn was ich kenne, macht mir auch keine Angst. Das wäre letztlich der Schlüssel. Aber umso mehr Kinder „aussortiert“ werden, umso weniger es Behinderung geben wird, umso weniger werden wir damit als etwas Normales aufwachsen. Außerdem, solange wir nicht kapieren, dass wir alle unsere Behinderungen haben - nur manche kann man eben besser kaschieren –, haben wir auch nichts verstanden von Gottes Idee mit dem Reichtum der Vielfältigkeit.

ERF Online: Das würde unsere Gesellschaft insgesamt unbarmherziger machen und wir müssten uns alle dem Diktat der Leistung beugen.

Frau Zachmann: Dem kann ich nur beipflichten. Menschen mit Behinderung können uns in so vieler Hinsicht die Augen öffnen, uns ein Vorbild sein und uns vorleben, was die wirklichen Werte in diesem Leben sind. Sie scheren sich nicht um dieses Leistungsdenken. Da kann ich mir jeden Tag einige Scheiben von meinem Sohn abschneiden. Er hat mir diesbezüglich einiges gegeben und mich so viel Sinnvolles gelehrt. Da bin ich auch reich beschenkt mit ihm!

ERF Online: Vielen Dank für das Gespräch!

Hanna Willhelm


 

"Bei mir im Leben alles anders"

Gutes Team:  Doro Zachmann mit ihrem Sohn Jonas (19) – er fühlt sich erwachsen und will ausziehen. Seiner Mutter fällt es schwer, ihn gehen zu lassen.
Gutes Team: Doro Zachmann mit ihrem Sohn Jonas (19) – er fühlt sich erwachsen und will ausziehen. Seiner Mutter fällt es schwer, ihn gehen zu lassen.

BERLINER MORGENPOST  23.05.12

 

Doro Zachmann und ihr Sohn Jonas haben ein Buch geschrieben.
Über sein Leben mit Trisomie 21 und das Erwachsenwerden.

 

BERLIN – Wenn ein Kind mit Behinderung in die Pubertät kommt, wie ist das für die Eltern? Wann ist ein Mensch mit Trisomie 21 erwachsen und was bedeutet es, ein selbstständiges Leben zu leben? Doro Zachmann hat mit ihrem Sohn Jonas zusammen ein Buch geschrieben: „Ich mit ohne Mama – Knüller Jonas wird erwachsen“ (SCM Hänssler, 336 Seiten, 16,95 Euro). Es ist ein sehr persönliches Buch einer Mutter und ihres Sohnes, der mit dem Down-Syndrom und einem schweren Herzfehler zur Welt kam. Mit den beiden sprach Anne Klesse.

 

 

Berliner Morgenpost: Frau Zachmann, warum haben Sie dieses Buch geschrieben?
Doro Zachmann: Ich habe ja schon zwei Bücher über das Leben mit Jonas geschrieben. Dieses Mal aber ging der Impuls von Jonas aus. Es war seine Idee, ein gemeinsames Buch zu schreiben und ich fand es eine tolle Möglichkeit, seine Botschaft rüberzubringen: Dass das Leben mit Down-Syndrom absolut lebenswert ist und wunderschön sein kann. Wir haben uns ein halbes Jahr lang dafür einmal die Woche zusammen hingesetzt und gesprochen. Manches haben wir direkt aufgeschrieben, teilweise hat Jonas hinterher per Hand Texte verfasst, was dann für das Buch eingescannt wurde. Oder er hat mir diktiert nach dem Motto: „Mama, ich Chef! Du Seggetähin!“ Es war ein produktiver Prozess, in dem wir uns noch mal näher gekommen sind. Gell, Joni?
(Jonas Zachmann sitzt ebenfalls mit am Telefon, das laut gestellt ist)
Jonas Zachmann: Ja. Down-Syndrom. Das hab ich.
Doro Zachmann: Wir haben viel über das Down-Syndrom gesprochen. Das war vorher lange nicht möglich. Das ist ein großer Gewinn.
Berliner Morgenpost: Wie spricht man mit dem eigenen Kind über dessen Behinderung?
Doro Zachmann: Das ist nicht so einfach. Vor allem, als Jonas in der Pubertät war, so vor drei, vier Jahren, durften wir eigentlich gar nichts darüber sagen, dann hat er sofort zugemacht, sich zurückgezogen. Als er verstanden hat, dass er anders ist als viele Gleichaltrige, gab es eine Phase, in der er von der Schule kam, sein Zeug in die Ecke gepfeffert und seine Zimmertür zugeknallt hat, Vorhänge zu und nicht mehr ansprechbar war. Er wollte nicht mit uns essen und nichts von uns hören. Ich glaube, da konnte er sich selbst nicht leiden. In der Zeit war er ganz anders als sonst. Normalerweise strahlt er nach außen.
Berliner Morgenpost: Im Buch gibt es eine Stelle, an der Ihr Sohn sich von Ihnen wünscht, das Down-Syndrom ‚wegzumachen’. Wie haben Sie ihm darüber hinweg geholfen?
Doro Zachmann: Mit viel Geduld und der Hilfe von lieben Menschen. Stück für Stück hat er wieder angefangen, sich zu öffnen. Die Arbeit an dem Buch war noch mal ein großer Schritt zur Akzeptanz. Heute steht er bei Lesungen vor einem Saal voller Menschen und sagt: ‚Ich habe Down-Syndrom. Ich bin okay so wie ich bin.’ Es ist zu spüren, dass das den Leuten unter die Haut geht. Das macht mich froh und Jonas auch, die Leute umarmen ihn und fragen, ob er ihr Buch signiert. Er weiß jetzt, dass er ein toller Kerl ist. Das Down-Syndrom gehört zu ihm wie andere Menschen eine Brille tragen.
Berliner Morgenpost: Jonas ist Ihr viertes Kind, mittlerweile ist er
19 Jahre alt. Inwiefern verlief seine Pubertät anders als bei seinen Schwestern?
Doro Zachmann: Sie verlief extremer und dauerte länger. Dazu kam, dass es schwierig für ihn ist, sich mit Themen reflektierend auseinanderzusetzen. Mit meinen Töchtern konnte ich wenigstens diskutieren, wenn wir Regeln aufgestellt haben, haben sie sie meist eingehalten, weil sie deren Sinn verstanden haben. Jonas aber hat sie nicht eingesehen. Man kann ihm kaum mit Vernunft kommen, er ist durch und durch bauchgesteuert. Das macht ihn einerseits ja auch aus, das ist eine große Gabe. Aber es ist auch sehr anstrengend: Die Einsicht, mal wieder duschen zu müssen, den Wäschekorb auszuräumen oder nachts auch mal den Fernseher auszuschalten, die fehlt ihm. Ansonsten hat er in der Pubertät alles mitgemacht, was andere auch durchmachen: Liebeskummer, die körperlichen Veränderungen usw.
Berliner Morgenpost: War es schwieriger als bei Ihren Töchtern?
Doro Zachmann: Eindeutig ja! Jonas hatte fast zwei dunkle Jahre, in denen mein Mann und ich immer wieder befürchteten, unser Sohn könne in eine Depression abrutschen. Er hat sehr damit gerungen, anders, eben behindert zu sein. Gott sei Dank aber ist er aus diesem dunklen Tal wieder herausgekommen und hat zu seiner alten Fröhlichkeit und seinem gesunden Selbstwertgefühl zurückgefunden.
Berliner Morgenpost: Jonas, fühlst du dich erwachsen?
Jonas Zachmann: Das mit Erwachsenwerden ist schwierig für mich. Bin kein Baby oder so, aber hab nicht Gefühl, dass erwachsen bin. Hab aber Gefühl, dass bei mir im Leben alles anders. Kann selbst bestimmen, wann ins Bett gehe, wie viele Filme gucke. Dass ich mal erwachsen bin, hab ich nicht gedacht. Aber jetzt ich schafft habe! (Er verabschiedet sich)
Berliner Morgenpost: Sprechen Sie mit Ihrem Sohn über Liebe und Sexualität?
Doro Zachmann: Natürlich. In der Schule war Aufklärung mehrfach Thema und auch zu Hause haben wir darüber gesprochen. Immer, wenn wir das Gefühl hatten, es ist jetzt ‚dran’ oder Jonas konkret gefragt hat. Ich denke, wir haben über alles mit ihm gesprochen, was auch bei unseren
Töchtern Thema war. Vielleicht war es bei Jonas etwas bildhafter, damit er es versteht. Theoretisch weiß er über alles Bescheid. Mit der Liebe hat es aber bisher nicht geklappt, er verliebt sich meist in Mädchen, die kein Interesse an ihm haben. Das ist schade, wir würden ihm wünschen, eine Partnerschaft zu erleben.

Berliner Morgenpost: In Deutschland soll nun ein Bluttest auf den Markt kommen, der ‚LifeCodexx Praena Test’, mit dem schon in den ersten
Schwangerschaftswochen die Trisomie 21 erkannt werden kann. Hätten Sie sich gegen Ihren Sohn entschieden, wenn es den Test schon damals gegeben hätte?
Doro Zachmann: Aus heutiger Sicht würde ich mich natürlich immer wieder für meinen Sohn entscheiden. Und auch als Christin würde ich ein Kind nicht abtreiben. Trotzdem würde ich auch keine Frau, keine Familie, die sich dazu entschließt, verurteilen. Man kann sich nur versuchen
vorzustellen, unter welch enormem Entscheidungsdruck Schwangere dann stehen. Ich bin froh, dass ich nie in der Situation war. Ich halte den Test für keinen Fortschritt, denn schon der Gedanke ist falsch, dass Kinder sich an die Gesellschaft anpassen müssten und nicht andersherum.
Berliner Morgenpost: Wann haben Sie erfahren, dass Ihr Sohn das Down-Syndrom hat?
Doro Zachmann: Ich habe es wenige Minuten nach der Geburt, als ich ihn im Arm hielt, selbst registriert. Ich habe an seinen Augen gesehen, dass etwas nicht stimmt. Als Schwangere hätte ich mir unter einem Kind mit Trisomie 21 wohl etwas monsterartiges vorgestellt, ein Kind, das einem das Leben schwer macht. Ich hätte mir nie vorstellen können, dieses Kind so zu lieben, wie ich jetzt Jonas liebe, oder trotz allem ein ganz normales Leben zu führen.

Berliner Morgenpost: Jonas ist in die Schule gegangen, jetzt macht
er Praktika – klingt ganz normal…
Doro Zachmann: Ja, er mag alles, was mit Lebensmitteln zu tun hat. Er hat schon mehrere Praktika gemacht, unter anderem eines in einer Bäckerei, das gefiel ihm gut. Gerade hat er sechs Wochen in einem Lebensmittelgeschäft gearbeitet und lernt nun weiter in seiner Werkstatt für Behinderte. Es sieht alles ganz gut aus.
Berliner Morgenpost: Im Herbst wird er 20, ein Alter, in dem die meisten Kinder ans Ausziehen denken...
Doro Zachmann: Oh ja, Jonas denkt auch daran, er spricht seit einem Jahr immer öfter davon. Und tatsächlich: Vor kurzem kam ein Anruf aus
dem Nachbardorf, dass in einer Wohngemeinschaft in einem Behindertenwohnheim ein Zimmer frei wird. Jonas hat sich alles angeguckt und seine zwei Mitbewohner kennengelernt – den einen kennt er sogar von früher – und im Juni wird er nun also umziehen. Das ist auch für uns ein großer Schritt. Mein Mutterherz lacht und weint gleichzeitig. Ich merke, dass mir das Loslassen bei ihm schwerer fällt als bei meinen drei Töchtern. Ich habe Angst um ihn. Aber dann sage ich mir: Was soll
schon passieren? Er wird mal das Haus verlassen, ohne geduscht zu haben, er wird mal den Bus verpassen – na und? Das gehört zum Leben dazu. Außerdem hat er ja auch Betreuer, die ihn unterstützen und wir sind ja auch in der Nähe.
Berliner Morgenpost: Gab es den Moment, in dem Sie dachten, ‚Jetzt ist er erwachsen’?
Doro Zachmann: (lacht) Ich glaube, das war, als Jonas zum ersten
Mal ganz allein Pizza für sich bestellt hat. Ohne dass wir geübt hätten, konnte er die Telefonnummer wählen, die Bestellung durchgeben, hatte vorher sein Taschengeld überprüft, ob es ausreicht für Pizza und Salat… Da war er 18. Ich habe ihm zugesehen und dachte: Okay, er ist lebenstauglich, Doro, du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Wenn er etwas wirklich will, schafft er es auch. Das war von Anfang an so.

 Berliner Morgenpost: Danke für das Interview. 

Anne Klesse