Was die Presse so über uns schreibt...


Schwäbisch Hall

 

Glück trotz Down-Syndrom

 

Sonja Alexa Schmitz | 24.10.2017  

 

Doro Zachmann, Mutter und Buchautorin, spricht in der Kantine der Bausparkasse über die Geburt ihrer Kinder, Erfahrungen in der Kinderklinik und eine einschneidende Diagnose.  Foto:  Ufuk Arslan

 

 

Wie ehrgeizig bin ich? Die Frage sollen sich die Damen stellen, fordert Moderatorin Esther Würth. „Und für wie ehrgeizig halten Sie Ihr Gegenüber auf einer Skala von eins bis zehn?“ 220 Frauen schauen ihre Tischnachbarin über Kaffeetasse und Frühstücksteller hinweg an. „Sie haben auf jeden Fall mehr als fünf“, sagt eine Seniorin aus Sulzdorf zu der um Jahre jüngeren Bettina aus Mulfingen. „Und Sie liegen mindestens bei acht.“ Die ältere Dame kichert: „Stimmt.“

 

 

„Auf Umwegen geradewegs zum Ziel“

 

Wildfremde Menschen begegnen sich beim Frühstückstreffen für Frauen – offen, ehrlich, herzlich. In der Verbundenheit dieser Veranstaltung, mit christlichem Hintergrund, kommen die Teilnehmerinnen ganz selbstverständlich mit den Nachbarinnen ins Gespräch. Die übliche Distanz und Fremde löst sich auf. Gespräche mit Tiefgang werden geführt.

 

Der Vortrag, der stets ein Thema aus dem Leben aufgreift, tut sein Übriges. „Auf Umwegen zum Ziel“, darüber spricht die Buchautorin Zachmann aus Pfinztal. Nach dem musikalischen Auftakt der Familie Fahrian erzählt die Referentin in heiterer Stimmung Momente aus ihrem Leben. Von der schweren Zeit nach der Geburt ihrer Zwillinge. Weil sie sogleich in eine Kinderklinik kamen, konnte die Mutter ihre Kinder „Zachmann eins und zwei“, wie es auf dem Bettchen stand,  erst eine Woche später sehen. „Sind das wirklich meine Kinder?“ Mit der Frage schleppte sie sich lange rum, das Mutterglück blieb erst Mal aus.

 

Inmitten des Babyalltagsstresses, nach nur acht Monaten, färbte sich dann der Papiertest wieder rosa. Schwanger! Nach einer Traumschwangerschaft und einer „nur 17-stündigen Geburt“, hielt sie ihr Neugeborenes im Arm und sagte einen Satz, für den sie sich heute schämt: „Wie sieht denn das Kind aus? Das ist doch behindert!“ Ihr Sohn Jonas hat das Downsyndrom.

 

Diese Nachricht, die sie zuerst in eine tiefe Krise stürzte, erwies sich für sie als Glücksfall. „Ein Geschenk“ nennt sie ihren Sohn, mit dem sie heute erfolgreich Bücher schreibt und in ganz Deutschland auftritt.

 

Darum geht es, aus der Bibel zitiert: „Alles, was geschieht, soll uns zum Besten dienen.“ Es sei freilich nicht immer leicht, das so anzunehmen. Ob ein Unglück nun ein Glück ist, darauf zu warten oder zu hoffen, erfordert Geduld. Man kenne ja den Satz: „Wer weiß, wofür es gut ist.“

 

„Wozu bin ich auf der Welt?“, fragt Doro Zachmann. Die Gesichter der Frauen sind nachdenklich, manche Stirn wird gerunzelt, mancher Mund lächelt leicht. Für die Buchautorin ist die Antwort gefunden: Schreiben und Jonas, zwei Fäden sind da zusammengekommen, die in ihrem Leben perfekt verknüpft wurden. „Ja Mädels, manches will auf Umwegen entdeckt werden“, appelliert Zachmann abschließend, „jetzt ist Leben. Vorhang auf!“

 

Zwei Frauen unterhalten sich nach dem Vortrag und sind sich einig: Der Rückblick ist wichtig. Die Referentin zitierte dazu Sören Kierkegaard: „Verstehen kann man das Leben nur rückwärts.“ Wie viele kleine Dinge geschehen, die wir gar nicht so wahrnehmen, die aber etwas Gutes zur Folge hatten. Ohne Rückblick würden wir sie übersehen.

 

Neue Räume kommen gut an

 

Bettina aus Mulfingen erinnert sich an eine Autofahrt. Das Navy funktionierte nicht, sie fand zwar letztlich zum Ziel, aber vorher fand sie noch eine wunderschöne Landschaft – auf dem Umweg.

 

220 Frauen, 50 mehr als bei den bisherigen Frühstückstreffen, verlassen am Samstag nur langsam die Kantine des modernen Gebäudes. Die neuen Räumlichkeiten sind gut angenommen worden. So erlebt es auch Moderatorin Esther Würth. Bisher waren die Veranstaltungen im Hotel Krone in Hessental. Da dieses geschlossen wurde, fanden die Organisatoren mit der Bausparkasse einen neuen Gastgeber.

 

Zwei Frauen sitzen noch lange, nachdem die meisten gegangen sind, an ihren Plätzen. Die eine wischt sich eine Träne ab, die andere tröstet. Wer weiß, wofür die Krise, in der die Frau steckt, gut ist...

 

 

 




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Lesung in Ispringen am 24.06.16
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Geislinger Zeitung,

9. Mai 2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der mit dem Down-Syndrom geborene Jonas Zachmann geniest seine Lesung. Das freut auch Mutter Doro. Foto: Claudia Burst

 

Ohne Maske und Fassade          

 

 Down-Syndrom: Jonas Zachmann liest sich im Geislinger Schubart-Saal in die Herzen der Besucher

 

Jonas Zachmann kam mit Down-Syndrom auf die Welt. Seine Mutter Doro verarbeitet das gemeinsame Leben in Büchern, an denen Jonas mitschreibt.

 

CLAUDIA BURST

 

Geislingen. Jonas ist 23. Seine Haare hat der junge Mann hellblond gefärbt. Selbstbewusst tritt er am Samstagnachmittag gemeinsam mit seiner Mutter Doro Zachmann im Schubart-Saal des Geislinger Mehrgenerationenhauses ans Rednerpult. Stellt sich den 40 Gästen vor: „Ich bin Jonas und bin Chef von Doro, meine Mama, sie ist Sekretärin von meine Buch, ich alles schreiben, bis fertig ist. . .“ Jonas hat das Down-Syndrom. Und liebt sein Leben. Präsentiert sich charmant und mit köstlichem Humor. Eingeladen wurden der 23-Jährige und seine Mutter zu einer Lesung des Buches „Bin kein Star, bin ich“, das er gemeinsam mit seiner Mutter geschrieben hat. Es ist schon das vierte Buch, mit dem Doro Zachmann ihre Erfahrung als Mutter eines Sohnes mit Down-Syndrom schildert, das zweite, an dem Jonas aktiv beteiligt ist.

 

 

 

 

Gastgeber der Lesung war der Geislinger Stadtbehindertenring STeiGle. Der Verein hatte damit er-neut einen Gast in die Fünftälerstadt eingeladen, der innerhalb von gut einer Stunde das eingefahrene Denken von Menschen, die ihre Behinderung nicht erkennen, auf neue Gleise führte. „Gott hat nie Fehler gemacht. Jeder Mensch ist Unterschied von den anderen. Und alle gleich wären, ist so Langeweile“, lautet eine Passage aus dem Buch, die Jonas vorliest. So steht es tatsächlich drin und macht seine Art zu reden, die oft schwer verständlich ist, deutlich. Aber vor allem zeigt sie, dass er sich des Unterschieds zu den Menschen in seiner Umgebung bewusst ist – und diesen Unterschied akzeptiert hat. Jonas Zachmann nimmt mit seiner unverstellten Art die Herzen der Besucher für sich ein. Während der Momente, in denen er und seine Mutter Bilder aus dem Familienleben der Zachmanns präsentieren, kuschelt sich der junge Mann an seine Mama und holt sich Küsschen ab. Andererseits legt er Wert darauf, dass sie die Sätze auf dem Laptop genauso liest, wie sie dort stehen. „Jonas“ und nicht: „mein Sohn“, zum Beispiel. Er weiß aus Lesungs-Erfahrung heraus, an welchen Stellen das Publikum lacht und grinst dann spitzbübisch. Jonas erzählt von seinem Leben in der betreuten WG, in die er vor vier Jahren gezogen ist. Von seinem Leben als Schreiner in der Lebenshilfe-Werkstatt, von den Schwierigkeiten beim Selbstständig-Werden und von den vielen schönen Momenten. Und der Zuhörer begreift, dieser junge Mann fühlt und denkt wie andere Menschen seines Alters. Nur ungefilterter, direkter und mit einer Lebensfreude, die ansteckend wirkt. Das zeigt sich vor allem am Ende des dualen Vortrags von Doro und Jonas Zachmann. Da schaltet Jonas Musik im CD-Player an und beginnt zu tanzen, weil er das so gern macht. Einfach so. Der Beifall ist laut und begeistert. Viele der Besucher sind ins Nachdenken gekommen.

 

 

 


02.05.2016

 

Lydia Schäfer

 

23-Jähriger mit Down-Syndrom schreibt Bücher

 

Jonas Zachmann hat das Down-Syndrom und schreibt gemeinsam mit seiner Mutter Bücher

 

 Jonas und Doro Zachmann haben gemeinsam das Buch „Bin kein Star, bin ich“ vorgestellt.

 

Jonas und Doro Zachmann haben gemeinsam das Buch „Bin kein Star, bin ich“ vorgestellt.

 

Friedrichshafen. Eine Lesung der etwas anderen Art haben Doro und Jonas Zachmann in der „Bücherecke am Bodensee“ am Samstagvormittag gegeben. Jonas Zachmann aus Karlsruhe ist 23 Jahre alt und hat bisher zwei Bücher geschrieben. Er gibt Einblick in seine Gedankenwelt, präsentiert sich als selbstbewusster junger Mann. Von Beruf ist er Schreiner und er hat das Down-Syndrom.

 

Eine kleine Gesellschaft hat sich in der Bücherecke in der Ailinger Straße zusammen gefunden, um in die Welt von Jonas Zachmann einzutauchen. Mithilfe einer multimedialen Präsentation geben er und seine Mutter Doro Zachmann einen gefühl- und insbesondere humorvollen Einblick in den Alltag des jungen Mannes. Mehr noch – einen Einblick in seine Gedanken, die erfrischend direkt sind. Sein Leben folgt einer gewissen Struktur. Die Wandfarbe für sein WG-Zimmer, in das er vor vier Jahren gezogen ist, hat er nicht nach der Farbtafel ausgesucht. Es waren vielmehr die Bezeichnungen, die ihn inspiriert haben. Eisblau war ihm zu kalt, Zitrone zu sauer und Pflaume? „Ihh, zu matschig“, findet Jonas, aber das ungewöhnliche Wort „terracotta“ hat es ihm angetan. Gelesen, gekauft und gestrichen. So einfach kann das Leben sein. Überhaupt ist Jonas überzeugt: „Mann sein ist toll. Ich bin ein toller Mann“. Frauen sind zickig, Männer nicht. Gut, Männer können schon dickköpfig und stur sein, aber eben nicht zickig. Es sind die kleinen, aber feinen Unterschiede, die Jonas aufs Blatt bannt. Einfach, verständlich und direkt.

 

Männergespräche und Schreiben

 

Jonas hat ein anderes Leben als Menschen ohne Behinderung. Er hat bereits zwei Herzoperationen hinter sich. „Es ist immer noch nicht so optimal“, sagt seine Mutter. Er arbeitet als Schreiner in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Ein Job, der ihm Spaß macht. Jonas hat drei ältere Schwestern. Er führt wichtige Männergespräche mit seinem Vater und teilt die Leidenschaft fürs Schreiben mit seiner Mutter, die er während der Lesung immer wieder in die Arme nimmt. Was ihm am Schreiben am besten gefällt, sind die Übernachtungen in einem Hotel, wenn er mit seiner Mutter zu einer Lesung fährt. Wie witzig das auch klingen mag, eines wird dennoch deutlich: Jonas möchte ernst genommen werden. Um es mit seinen Worten zu sagen: „Ich erzähle aus meinem Leben, weil es kompliziert ist und damit ihr wisst, wer ich bin, und keine blöden Kommentare macht, und es ist kein Witz, mein Leben, damit das alle wissen.“ Er ist ein junger Mann, der sein Leben gestalten muss wie jeder andere junge Mann auch. Er sehnt sich ebenso nach der Einen wie jeder andere auch. Er geht zur Arbeit, hat Freunde, liebt Disney-Filme und muss sich während des Erwachsenwerdens mit dem Down Syndrom auseinandersetzen.

 

Zusammen mit seiner Mutter verfasst er seine Werke. Es ist ein Blick aus Sicht der Mutter und ein Blick aus Sicht des Sohnes. Doro Zachmann hatte bereits zwei Bücher über ihren Sohn veröffentlicht, als Jonas ihr mitteilte, das er auch schreiben wolle. Die nächsten beiden Bücher haben sie gemeinsam geschrieben. Die Lesungen von Doro Zachmann und „Knüller“ Jonas, wie er sich auch selbst nennt, sind einen Besuch wert. Sie geben Einblick in ein ganz normales Leben, das ein wenig anders ist. Im Oktober werden sie im Haus der kirchlichen Dienste zu Gast sein.

 

Jonas und Doro Zachmann lesen aus ihrem aktuellen Buch „Bin kein Star, bin ich“ am Samstag, 1. Oktober, um 19.30 Uhr im Haus der kirchlichen Dienste, Katharinenstraße 16 in Friedrichshafen. Bisher erschienen: „Mit der Stimme des Herzens“ und „Bin Knüller“ (von Doro Zachmann) und „Ich mit ohne Mama: Knüller Jonas wird erwachsen“ und „Bin kein Star, bin ich“ (Jonas und Doro Zachmann).

 

 

 


Eine etwas andere Lesung in Leipzig

 

Bin kein Star, bin ich.

 

Jonas und Doro Zachmann haben ihr mittlerweile zweites Buch geschrieben. Es handelt vom Leben ihrer Familie, ihrer Abenteuer, aber auch den hier und da aufkommenden Problemen. Es klingt nach einer typischen Familie. Bis man genauer hinschaut.

Doro und Jonas Zachmann

 

 

 

 

Foto: Lebenshilfe Leipzig e.V.

 

 

Jonas Zachmann ist 23 Jahre alt, Schreiner und lebt in einer WG. Er schaut gern Filme und schreibt gern. Dieses Hobby hat er von seiner Mutter Doro Zachmann, Autorin und Diplom-Sozialpädagogin. Beide zusammen haben bereits zwei Bücher veröffentlicht und machen mit ihren Geschichten und Texten vielen Menschen Mut. Denn Jonas hat Trisomie 21. Zudem wurde er mit einem schweren Herzfehler geboren, sodass er bereits als Kind operiert werden musste. Seine Mutter Doro hat daher ihre alltäglichen Probleme ab dem ersten Lebenstag von und mit Jonas aufgeschrieben.

 

„Ich schreibe einfach über Dinge, die mich beschäftigen. Ich mache das schon seit meiner Jugend so und es ist hilft mir bei der Bewältigung“. Doro Zachmann 

 

So entstanden bereits mehrere Bücher über Jonas. "Mit der Stimme des Herzens" entstand das erste autobiographische Werk von ihr. Es flossen alltägliche Situationen mit Jonas und seinen drei Schwestern ein, aber auch die Ängste und Sorgen der Eltern Doro und Wolfgang. Besonderen Mut macht Jonas aber vielen Eltern oder Betroffenen mit seinem Lebensmut und seinem Charakter. Er hat den Spitzennamen "Knüller" nicht umsonst. 

 

"Bin Knüller" hieß dann auch das zweite Werk über Jonas. Er ist zu diesem Zeitpunkt vierzehn Jahre alt und kommt in die Pubertät. Er muss aber auch erneut operiert werden. Diese schwere Zeit nahm seine Mutter als Anlass, Rückschau zu halten über die Zeit mit ihm: in Tagebuchauszügen, Artikeln, Anekdoten; mit Fotos, Zeichnungen und nachdenklichen Kurztexten.

 

Jonas überstand diese OP und seit er achtzehn Jahre alt ist, will er nicht nur über sich lesen, sondern möchte auch unbedingt mitschreiben! So entstanden die Werke "Ich mit ohne Mama: Knüller Jonas wird erwachsen" und "Bin kein Star, bin ich." In dem neuen Buch beschreiben beide in einem gegenseitigen Schreibprozess ihre Ansichten über die neue Situation innerhalb der Familie. Denn Jonas ist fertig mit der Schule und möchte, wie seine großen Schwestern, von Zuhause ausziehen. Für die Familie ist es eine ganz neue Erfahrung.

 

„Ich musste zunächst lernen, dass ich ihn nicht ständig anrufen und besuchen kann. Das ging soweit, dass mir die Betreuerinnen sagten, dass jetzt mal gut ist und ich Jonas erst mal ankommen lassen soll.“ Doro Zachmann

 

Auch in diesem Buch erlebt man die Geschichte, die doch jeder junge Erwachsene kennt. Das erste Mal auf eigenen Beinen stehen, in den eigenen vier Wänden leben und den Alltag bestreiten. Bemerkenswert ist aber, wie beschwingt Jonas Zachmann den Leser dabei in sein Leben mitnimmt und seine eigenen Gefühle und Emotionen beschreibt. Das besondere ist außerdem, dass man jede Geschichte aus zwei Perspektiven lesen kann, seine eigene, aber auch die seiner Mutter. 

 

„Ich schreibe dieses Buch, weil es mir Spaß macht, und es geht (darin) nicht um mich allein, sondern (auch um) meine Familie. Deshalb heißt das Buch »Bin kein Star, bin ich«, weil (mir) meine Familie wichtiger ist als die Bühne und ich (ein) ganz normales Leben habe. Ich erzähle aus meinem Leben, weil es kompliziert ist und damit ihr (Leser) wisst (versteht), wer ich bin, und keine blöden Kommentare (macht),und es ist kein Witz, mein Leben, damit das alle wissen.“ Jonas Zachmann

 

 

 

„Ja, das ist Jonas ganz wichtig: dass er nicht ausgelacht, sondern ernst genommen wird! Als erwachsener Mann, als Mensch mit Behinderung, als ganz normaler Jonas. Und er möchte zum Ausdruck bringen, dass sein Leben auch immer wieder ein großer Spagat ist.“Doro Zachmann

 

Das Buch liest sich wie ein Film. Es sind Episoden aus dem Leben einer ganz normalen Familie mit nicht immer ganz alltäglichen Problemen. Es zeigt vor allem, dass ein Mensch mit Behinderung zwar ein kompliziertes Leben hat, es aber dennoch genauso bunt und spannend sein kann, wie jedes Andere auch. Jonas und Zachmann transportieren die Lebensfreude ihrer Familie durch ihre Bücher und inspirieren dadurch jeden Leser. In einem Interview haben sie noch einige Dinge über ihr Leben und ihr Buch verraten.

 

 

 


Lesung
Das Besondere im Normalen
08.03.2016

 

 

Das Besondere im Normalen
Jonas Zachmann und seine Mutter bei der Lesung.Foto: Heiko Kempken

Wesel. Jonas Zachmann hat mit seiner Mutter ein Buch über das Erwachsenwerden mit Down-Syndrom geschrieben. Lesung im Gemeindezentrum Wittenberg in Wesel.

In vielerlei Hinsicht führt der 23-jährige Jonas Zachmann ein ganz normales Leben. Er wohnt in einer WG, arbeitet in einer Schreinerei, isst gern Pizza und Döner und liebt es zu tanzen. Doch er ist auch etwas besonderes: ein gefeierter Autor mit dem Down-Syndrom. Seine Mutter Doro Zachmann hat bereits zwei Bücher über sein Leben geschrieben, als er noch ein Kind war. Als er 18 Jahre alt war, wollte er mitmachen.

Mit einer Lesung aus dem zweiten gemeinsamen Werk: „Bin kein Star, bin ich“, war das Mutter-Sohn-Autorenduo aus Karlsruhe am Montagabend zu Gast im Gemeindezentrum Wittenberg. In dem Buch wird erzählt, wie Jonas langsam erwachsen wird: Der Auszug von Zuhause, die Suche nach einer Arbeit, der Alltag mit seinem Handicap. Dass er ausziehen wollte, war ihm schon früh klar, denn seine drei älteren Schwestern haben das elterliche Nest nach der Schule ebenfalls verlassen. 2012 war es dann soweit und ein passender Platz in einer betreuten WG gefunden.

Doch schon der Kauf von Wandfarbe für das neue Zimmer gestaltete sich als erste Herausforderung, wie Mutter und Sohn in ihrem Buch erzählen: „Mutti, lass mich, meine Entscheidung“, wies Jonas damals die mütterliche Hilfe zurück, denn eine Farbe wollte er selbst wählen. Wenn auch nach etwas unüblichen Entscheidungskriterien: „Eisblau?“ - „Zu kalt“, „Pfirsich?“ - „Mag ich nicht“, „Zitronengelb?“ - „Zu sauer“, „Terrakotta?“ - „Hübscher Name, nehm’ ich.“
„Gott mag mich, ich bin“

Auch wenn diese kleinen Dinge des Alltags manchmal etwas länger dauern, beschreiben Jonas und Doro Zachmann in ihrem Buch, wie Jonas unbeirrt und selbstbewusst durchs Leben geht. Und dass er auch sehr genau weiß, worauf es ankommt. So schreibt Jonas zwar, dass ihm die Arbeit in der Schreinerei der Lebenshilfe Spaß macht, aber er weiß auch: „Mir gefallen oder nicht, muss arbeiten.“

Dann und wann ist aber doch die elterliche Hilfe gefragt. So berichten die beiden von einem Erlebnis, als Jonas versehentlich im falschen Bus saß: „Mutti, ich bin im Bus, aber Bus fährt in die falsche Richtung“, erklärte er damals am Telefon. Oder von der „Döner-Geschichte“, wie sie bei den Zachmanns heißt, als er sich zwei Döner kaufte und einen für später aufheben wollte. Diese endete mit einer Lebensmittelvergiftung im Krankenhaus. Aus solchen kleinen Unfällen lernt Jonas aber, wie er selbst schreibt, denn schon beim nächsten Mal lief es besser: „Gleich gegessen den Döner, nichts aufgehoben, weil ich gelernt habe.“

Dass Jonas anders ist als andere Menschen, beschäftigt ihn seit der Pubertät. Doch mittlerweile hat er zu einem selbstbewussten Umgang damit gefunden: „Jeder Mensch ist Unterschied von den anderen und alle gleich wären, sonst Langeweile“, schreibt er in seinem Buch. Inzwischen weiß er: „Down-Syndrom oder nicht, spielt dem keine Rolle“.

Immer wieder darüber reden, möchte er aber auch nicht. „Das nervt, das Thema“, schreibt er ganz klar: „Keiner ist perfekt, aber ist gut so. Gott mag mich, ich bin“.

Und in seinen Hobbies und Leidenschaften ist er nicht anders als andere junge Erwachsene. „Mein Laptop ist die beste“, erzählt er in seinem Buch, doch den darf er nur am Wochenende benutzen, weil er sonst die ganze Nacht Filme schaut und nicht schläft. Seine zweite Leidenschaft ist das Essen: „Essen ist mein Ding, ich liebe es“, erzählt er verschmitzt. Und auch ein Tanzkurs in der Lebenshilfe bereitet ihm großen Spaß. Zu Salsa, Walzer, Cha-Cha-Cha und Rumba lässt er dort seine Hüften kreisen.

Zum Abschluss der Lesung stellte er das unter Beweis und legte er eine flotte Sohle auf das Parkett der Bühne im Gemeindezentrum.

Die Lesung war eine der Sonderveranstaltungen, die es ihm Rahmen des Stadtjubiläums im Gemeindezentrum Wittenberg gibt. Schon am Mittwoch, 16. März, steht ein weiteres Highlight auf dem Programm: Das Gitarrenduo „Café del Mundo“ mit ihrem Flamencoprogramm „In Passion“.

Melanie Koppel


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Presse Wesel 9.3.16
Das Besondere im Normalen
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Schorndorf und Umgebung

Glückliches Leben mit Down-Syndrom

 

Lesung mit Doro Zachmann und ihrem Sohn Jonas im evangelischen Gemeindehaus in Winterbach

 

Doro Zachmann arbeitet als freie Autorin und schreibt über ihren Sohn Jonas (23), der das Down-Syndrom hat. Am Samstagabend haben sie gemeinsam im evangelischen Gemeindehaus in Winterbach eine Lesung gestaltet.

 

Sie spricht ihn neckisch mit „Joni“ an, er sagt „Mutti“, zusammen hinterlassen sie einen warmherzigen und gewinnenden Eindruck: Doro Zachmann und ihr Sohn Jonas, der das Downsyndrom hat, haben mehrere Bücher zusammen geschrieben. Aus ihrem neuesten Werk mit dem liebevollen Titel „Binkein Star,binich“ haben sie im evangelischen Gemeindehaus vorgelesen.

 

Wie Jonas tickt, kommt in zahlreichen Alltagserlebnissen durch, die Mutter und Sohn abwechselnd und einander liebevoll zugewandt vortragen. Sie schildert lebhaft, er kommentiert kess eine Baumarktszene: Sohn zieht von daheim aus, braucht Farbe für sein neues Zimmer. Im Baumarkt machen die Eltern mit schlauen Argumenten Vorschläge. Ihm passt das alles nicht. Er hat seine eigenen Auswahlkriterien, die sich „nach der Farbbezeichnung und dem Klang der Worte“ richten, zeigt die Mutter, wie nachvollziehbar seine Gedankengänge sind. Er spielt neben ihr gestisch seine Empfindungen nach, bis alle im Raum grinsen und lächeln: eisblau - „zu kalt“. Pfirsich - „grr, mag ich nicht“. Karibik - „hä, was ist das?“ Zitrone - „ich liebe Zitronen, aber zu sauer“. Terracotta - „hübscher Name, nehm’ ich“. Und so wurde seine Wand in der neuen WG terracottafarben.

 

Jonas arbeitet in einer Schreinerei

 

Der 23-jährige Jonas ist von daheim ausgezogen und arbeitet in einer Schreinerei. „Arbeite mit dem Holz und bohren. Ich bohre und überall Maschinen“, notiert er. „Arbeit macht Spaß, aber geht nicht um Spaß, sondern um Arbeiten. Und muss immer Gruppenleiter hören, seine Vorschrift. Ist cool, Schreiner zu sein“, bringt er seine Gefühle zum Ausdruck. Wie auch beim Besuch seiner Mutter in seiner neuen Wohnumgebung. Sie essen gemeinsam. Sie bittet ihn, den Teller mit reinzunehmen. „Mutti, du bist jetzt der Gast“, erklärt er ihr die neue Rollenverteilung, die sie im Buch und in der Lesung schmunzelnd zu kommentieren weiß. Seine Hobbies sind „Mama ärgern, essen und singen“, vertraut er den aufmerksam lauschenden Zuhörern mit schelmischem Grinsen an. Auch redet er darüber, warum er lieber Motorradzeitungen liest als ein Magazin über das Leben mit Downsyndrom. „Will ich nicht lesen, weiß ich alles“, kommt er in seiner unverwechselbar ungenierten Art auf den Punkt. Er steht vor der Zuhörerschaft und spricht wie jemand, der ein „Ja“ zu sich gefunden hat, so wie er ist. Unverstellt, unerschrocken, in klaren Sätzen erzählt er aus seinem Leben, das kompliziert ist. Aber auch ganz normal. „Ich schreibe dieses Buch, weil Spaß macht und geht nicht um mich allein, sondern auch um meine Familie. Weil mir Familie wichtiger ist als die Bühne und ich ganz normales Leben hab“. Immer wieder schmiegt er bei der Lesung seinen Kopf an ihre Schulter und drückt der „Mutti“ einen Schmatzer auf die Backe. Sie umarmt ihn. „Ich schaffe alles, schlauer Kerl“, liest er vor. Kindheits- und Jugendbilder auf der Leinwand zeigen, dass er sein Leben genießen kann. Sein Laptop - das seien seine „zwei Lieblinge“. Zwei? „Ja, das Netzteil und der Laptop“, antwortet Jonas. „Klar, was bringt ein Laptop ohne Netzteil?“, verdeutlicht die Mutter die Logik. Sie erläutert, dass er wie jeder Erwachsene immer wieder sein Gleichgewicht sucht, Anforderungen zu meistern hat und sich nach einer Partnerin sehnt. Dabei gibt er sich keinen Illusionen hin: „Frauen zicken immer, Männer zicken nie“, lautet seine geschlechtsspezifische Aussage. Männer hätten „Tanzstil und Lebenslust, Frauen auch tanzen, aber mehr Ballett und so was“. Männer trinken „Radler, Bier und so Zeug“ und Frauen sind „mehr sexy und haben mehr Stil“. Als behindert zu gelten, beschäftige ihn seit der Pubertät, berichtet die Mutter. Jonas sei hin- und hergerissen zwischen dem Gefühl, benachteiligt zu sein und etwas Besonderes zu sein. „Gott hat nie Fehler gemacht. Alle sind behindert, niemand ist perfekt“, spielt er auf Brillenträger an, deren Augen „behindert“ seien. Jonas findet klare Worte für das Leben mit dem Downsyndrom: „Manche Menschen nicht glücklich und die haben kein Downsyndrom. Die sind traurig. Ich bin nicht traurig, weil mein Leben schön ist“.

 

·        Die Lesung mit Doro und Jonas Zachmann war Teil des einmal im Jahr stattfindenden Frauenabends „Impuls - ein Abend (nicht nur) fürFrauen“.

 

·        Da die Musiklehrerin Claudia Bühlweiler kurzfristig wegen eines geschäftlichen Termins absagen musste, sprang Klaus Beeschein, der aushilfsweise als Organist in der Gemeinde spielt, und begleitete den Abend mit Klavierstücken.

 

·        Doro Zachmann sagt, sie sei ihrem Sohn dankbar, dass er sie zum Schreiben brachte. Nach der Geburt fing die diplomierte Sozialpädagogin an, zu schreiben. Mit dem ersten Titel „Mit der Stimme des Herzens“ über ihren Sohn Jonas, der das Down-Syndrom hat, ging sie auf Lesereisen. Jonas begleitete sie. Dabei übernachteten sie im Hotel. „Weil er die Reisen und die Hotels so toll fand, hatte er die Idee, einfach noch ein Buch zu schreiben“, erzählt sie. Der zweite Buchtitel „Ich mit ohne Mama“ hält die Erinnerungen daran fest, wie er schrittweise die Kurve ins Erwachsenenleben kriegt.

 

·        Jonas hat zwei ältere Schwestern (Zwillinge), lebt in Karlsruhe in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft und arbeitet in einer Schreinerei der Lebenshilfe.

 

Von Heidrun Gehrke

 


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Ich mit ohne Mama

Doro und Jonas Zachmann über das Erwachsenwerden mit Down Syndrom

Doro Zachmann hat ein drittes Buch über ihren Sohn Jonas veröffentlicht. Der durch das Down Syndrom behinderte junge Mann hat dabei mitgeschrieben. Beide lasen beim ökumenischen Frauenfrühstück in der Mössinger Christuskirche.

09.10.2015
  • von Susanne Mutschler

 

 

Mössingen. In den ersten beiden Büchern, in denen Doro Zachmann vom Aufwachsen ihres Sohnes erzählt, geht es um die Babyjahre mit Jonas und um seine Kindheit. Jonas, der 1992 mit dem Down Syndrom zur Welt kam, leide nicht an seiner Behinderung, betonte Doro Zachmann am Mittwoch. Auch sich selbst will sie nicht als negativ „Betroffene“ sehen. Viel eher sei sie eine Getroffene, denn Jonas mit seinem „fröhlichen Gemüt“ und seiner ansteckenden Heiterkeit sei von Anfang an „ein Volltreffer in ihr Herz“ gewesen und „ein Mega-Geschenk von Gott“. Denn ihrem Sohn sei die Kunst, sich selbst zu lieben, in die Wiege gelegt. Jonas habe ein „bewundernswert gesundes Selbstwertgefühl“, sagt Doro Zachmann. Er genieße sein Leben in vollen Zügen. „Ich bin mein Lieblingsmann“, schreibt „Knüller Jonas“, wie er im Untertitel des Buches genannt wird.

Beim Mössinger Frauenfrühstück, das der Veranstaltung wegen auf den Abend verlegt wurde, lasen Doro und Jonas Zachmann im Wechselgespräch aus „Ich mit ohne Mama“. In fünf Kapiteln und auf über 300 Seiten geht es darin um das Erwachsen- und Selbstständigwerden des jungen Mannes. Das Buch ist gespickt mit Fotografien, Tagebucheinträgen und den krakeligen Aufzeichnungen von Jonas. Auch aus der vierten Folge der begleitenden Biografie, die demnächst unter dem Titel „Bin kein Star, bin ich“ erscheinen wird, gaben die beiden erste Kostproben.

„Ich bin dein Sohn und dein Abenteuer“, beschreibt Jonas seine enge Mutterbeziehung. Noch immer bekommt Doro Zachmann Liebesbriefe und Heiratsanträge von ihm. Auch beim Vorlesen ist ihm ihre Nähe wichtig. Jonas sei in der Lage, ohne Einschränkung zu lieben, erklärt sie. Dass gerade er als eingeschränkt gelten soll, kommt ihr vor wie eine „verkehrte Welt“.

Der 23-Jährige weiß genau, dass ihn seine Behinderung von anderen jungen Männern unterscheidet. Er habe Probleme beim Sprechen; Zahlen und Fahrpläne machen ihm Mühe. Er lerne langsamer als andere, und es sei für ihn schwierig, „wenig zu essen und seine Fußnägel zu schneiden“. Wenn andere ihn auslachen und ausgrenzen, macht ihn das traurig. „Aber Gott sagt mir, dass ich gut bin“, schreibt Jonas und zählt viele positive Eigenschaften auf: Er könne schreiben, lesen, in seinem Kopf drin denken, schwimmen und tauchen, charmant küssen und gut tanzen. Seit Jonas mit 18 Jahren telefonisch seine erste Pizza bestellte und selbst bezahlte, hält Doro Zachmann ihren Sohn für „überlebenstauglich“.

2012 hat er das Familienleben mit Eltern und Schwestern gegen eine gemischte Wohngruppe in Karlsruhe eingetauscht. In einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen macht er eine Holzbau-Ausbildung. „Ich liebe Schreiner“, bekennt er leidenschaftlich. Mindestens ebenso gern geht er an den Wochenenden mit seiner Mutter auf Lese-Tour. Er mag die Auftritte und vor allem das Übernachten in den Hotels. In seiner Freizeit geht er zum Tanzkurs im Haus der Karlsruher Lebenshilfe. Spontan zeigt er den begeistert mitklatschenden Frauen, was er an Beweglichkeit und tänzerischer Fantasie alles draufhat.

Kerstin Metzger, die das Frauen frühstück organisierte und selbst Mutter eines „besonderen Kindes“ ist, dankte Jonas und seiner Mutter „für den tollen Ausblick in die Zukunft“, den sie ihr gegeben hätten. Menschen wie Jonas seien „von Gott geliebte Unikate“.

 

Doro und Jonas Zachmann über das Erwachsenwerden mit Down Syndrom
Kann schreinern, tanzen und schreiben: Jonas Zachmann mit seiner Mutter und Co-Autorin Doro. Bild: Rippmann